„Wo bleibt die Qualität in der Schule?“: Ein Sack mit tausend Löchern

Unter der Überschrift „Wo bleibt die Qualität in der Schule?“ referiert „Die Tagespost“ (26. August) einsichtige Warnungen vor einer fortgesetzten Demontage der systemischen Voraussetzungen einer hinreichenden Schulbildung. Ungenannt bleibt die fachliche Kompetenz der Lehrenden. Fragt die mediale Öffentlichkeit selten nach dieser, der Mainstream-Journalismus gar favorisiert gesellschaftliche Anpassung sowie eine erpresste Bereitschaft der Lehrenden, alle „Kompetenzen“ zu fördern, welche von gesellschaftlichem Nutzen sein können, ohne Blick auf die wahren Bildungsvoraussetzungen, als da wären: Lernbereitschaft und Lernfähigkeit.

Zu dieser Verordnung von Systemblindheit gehört die Ausnullung fachlicher Anstrengungen der Lehrenden aus einem nur auf dem Papier garantierten Recht auf Fortbildung gegenüber einer Präferierung solcher Veranstaltungen, welche, politisch korrekt, zur Vergrößerung des Chaos in den Unterrichtsräumen unserer Länder führen. Mit der öffentlich-medialen und schulinternen Fokussierung des vermeintlich didaktischen Niveaus von Unterricht verfällt de facto der Anspruch auf fachliche Bildung bei Lernenden und Lehrenden gleichermaßen. Die wirksamen Stufen der Ausbildungsreform und das praktizierte Beziehungsmanagement bei der Genehmigung von Fortbildungsveranstaltungen für Lehrende an öffentlichen Schulen lassen den Willen zur Macht eines Staates erkennen, welcher seine Präsenz mit den Mitteln der Verdummung seiner Bürger zu sichern sucht, bis niemand es noch merkt, nichtmal die Verantwortlichen selbst.

Wer Bildung fordert, muss selbst gebildet sein. Wer bilden will, gar umso mehr. Wir verwechseln nicht ohne Grund Wirklichkeit und Möglichkeit, wenn wir den Begriff „Bildung“ durch den der „Kompetenz“ ersetzen, und füllen einen Sack mit tausend Löchern. Dass wir eigens zu erwerben haben, was uns vererbt wurde, um es besitzen zu können – dieses Diktum aus Goethes „Faust“ scheint in unseren Tagen schon nicht mehr als „antiquiert“ zu gelten, weil es bereits unverständlich geworden ist.

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