Wieviel „C“ bleibt, wenn sich die CDU für neue Wählerschichten öffnet, um eine moderne Volkspartei zu sein?: Fehlentwicklungen vorbeugen: Unionswähler vor den Kopf gestoßen: Zur Tagung ging die Fraktion ins Kloster

Leserbrief zu „Wofür steht das „C“? (DT vom 12., 14., und 19.1.2010): Als „unzulässige Vereinnahmung“ hatte Frau Ministerin Schavan die Erwartung von Erzbischof Marx kritisiert, dass jene Partei, die sich seit ihrer Gründung ausdrücklich als „christlich“ bezeichnet, in ihrem Grundsatzprogramm nicht den Namen dessen unterschlägt, der über unsere Pluralismen und Parteiungen hinweg ein Reich der sozialen Gerechtigkeit und der Einheit zu stiften ermöglicht. So wird es für künftige Entscheidungen höchste Zeit, dass ein Arbeitskreis engagierter Katholiken aufmerksam und konsequent weiteren Fehlentwicklungen in Familienpolitik, Bioethik, Bildung, Medizin und Forschung vorzubeugen versucht.

Es gilt, eine prinzipielle christliche Ethik zu vertreten, die nicht allein nach „Konsequenzen“ fragt, beispielsweise in einer „Ethik des Heilens“ nach Therapien durch Embryonenverbrauch forschen lässt, sondern zu allererst in das „Gesicht“ das heißt das Wesen des Menschen blickt, sein Lebensrecht ohne „Stufungen“ anerkennt und die vom Grundgesetz im doppelten Sinn ursprünglich verstandene Menschenwürde in allen Lebensphasen respektiert, sie gesetzlich wirksam und ohne Abstriche verteidigt. Das ist nicht als „Ideologie“ zu verkennen oder gar als Fundamentalismus zu desavouieren, sondern als das bleibende Fundament christlicher Anthropologie zu verstehen.

Für diesen Entscheidungsbereich gilt das Jesuswort: Eure Rede sei Ja oder Nein – kein terminliches oder quantitatives Dazwischen, kein „Jein“, keinen Kompromiss! Es geht primär (!) auch nicht darum, die zerstörerischen Folgen einer widersprüchlichen Auslegung von Artikel 1 GG durch den Gesetzgeber am Bevölkerungsrückgang oder den kränkenden Folgen einer Abtreibung für Frauen, Väter und Familien aufzuzeigen – dies natürlich auch!

Darüber hinaus aber ist der Mensch grundsätzlich (und grundgesetzlich!) von seiner Natur her als Mitglied einer Sozialgemeinschaft wahrzunehmen, in welcher der Stärkere und Wortmächtigere den Schwächeren und Sprachlosen in Wort und Tat schützen soll, ihn „palliativ“ behandelt, ihn in den Mantel des gerechten Gesetzes einhüllt und wärmt. Ihn in Christus als Bruder und biblisch als Ebenbild Gottes zu würdigen, sollte der selbstverständliche Anspruch einer sich nach Christus benennenden Partei sein. Es geht nicht zuerst um Schaden oder Nutzen einer gesetzwidrigen, aber straffreien Tötungspraxis, über welche bereits der gesunde Menschenverstand urteilen kann. Es geht letztlich um die Gerechtigkeit der Nächstenliebe. Kain – wo ist dein Bruder? Darauf haben wir zu antworten – in einer Kultur des Lebens, in der alle Menschen zuhause sein können.

Jetzt will sich die CDU also verstärkt für Wähler anderer Parteien öffnen. Hat sie das denn nicht schon die ganze Zeit gemacht und dabei viel alte Unionswähler erst vor den Kopf gestoßen und dann verloren? Die Parteispitze sollte das Engagement des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) sehr ernst nehmen. Sie versuchen ihrem Anliegen innerhalb der Partei Gehör zu verschaffen. Das zu ignorieren, wäre nicht nur töricht, sondern im höchsten Maße sträflich.

Ich fühle mich bemüßigt, doch auch mal ein positives Wort über die CDU zu Gehör zu bringen: So hat jüngst die CDU-Landtagsfraktion von Thüringen im Kloster Volkenroda (bei Mühlhausen) getagt. Dabei sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht: „Ich bin sehr dankbar, dass der Vorstand der Fraktion das Kloster Volkenroda als Tagungsort für diese Klausur gewählt hat, ... denn wenn man miteinander betet, singt und Gottesdienst feiert, dann geht man auch anders miteinander um.“

Wenn die CDU-Parlamentarier von Thüringen sich auf diese „christlichen Formen“ einlassen, ist das ein Zeichen, dass sie sich sehr wohl ihrer christlichen Wurzeln bewusst sind.

Dass es auch andere Meldungen über die CDU gibt, will ich nicht abstreiten. Also was ist zu tun? Man muss für sie beten (vgl. 1 Tim 2,2), für die Männer und Frauen der CDU und sicher auch die der anderen Parteien.

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