„Wie sage ich's meinem Weltenkinde?“: Offenbarung und Moderne

In besonderer Weise verdienen die Ausführungen von Hans Otto Seitschek „Wie sage ich's meinem Weltenkinde?“ (DT vom 4. August) die gebührende Anerkennung und ein hohes Lob. Die verständliche Diktion und die klaren Distinktionen zeigen die objektiven Ziele wie auch die innerkirchlich verursachten Grundprobleme der Verkündigung in unserer Zeit auf. Der vornehme Verzicht auf polemische Zuspitzung ermöglicht dabei umso mehr eindeutige Antworten.

In der Tat, eine wirklich geschehene göttliche Offenbarung begründet nicht nur einen objektiven Religionsbegriff, sondern bietet den alleinigen Bezugspunkt für eine im Glauben zu vollziehende theologische Forschung. Mit Bezug auf das „depositum fidei“ kann es keine Verkürzung und Umdeutung der heilswirksamen Wahrheit Jesu Christi in der kirchlichen Wortverkündigung, aber auch keinen subjektivistischen theologischen Spielraum bei allen Bestrebungen in Richtung Ökumene und interreligiösen Dialog geben.

Man darf zu Recht die selbstverständliche Forderung erheben, dass die autoritativen Amtsträger, die Bischöfe als erste Zeugen, ausgestattet mit der von Gott gegebenen Sendung und der in alle Wahrheit einführenden Kraft des Heiligen Geistes befähigt sind, in einer verstehbaren Weise die vollständig geoffenbarte Wahrheit weiterzutragen und sie gerade den fehlorientierten modernen Menschen anzumuten. Das Grundanliegen von Seitschek besteht darin aufzuzeigen, dass eine sprachlich gelungene Verkündigung der unwiderrufbaren Selbsthingabe Christi am Kreuz als Zeugnis seiner unüberbietbaren Liebe für uns (paulinisch: die Übergüte des Gottmenschen) das Wort des Predigers anziehend macht. Nichts wirkt befreiender als die Vermittlung der Wahrheit und die personale Ausrichtung auf Gott, der die Wirklichkeit ist. Besser als Seitschek kann man dies nicht sagen. Anleihen und Orientierung an dem dem Offenbarungsgut widersprechenden Zeitgeist verbieten sich so von selbst.

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24.09.2021, 10 Uhr
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