Übersetzung von „Gottesgebärerin“: Wörtliche Übertragung erfasst nicht ganzen Sinn

Zum Leserbrief „Gottesgebärerin ist die bessere Übersetzung“ von Pfarrer Hans Riedl (DT vom 21. Oktober) möchte ich anmerken:

Als das „Gotteslob“ eingeführt wurde, erhielt auch das Gebet „Unter deinem Schutz“ (GL Nr. 32,3) eine etwas geänderte Übersetzung: Statt Gottesgebärerin heißt es nun „Gottesmutter“. Ich habe in den Gemeinden diese Änderung als sinnvoll erläutert und eingeführt. „Gebärerin“ betont den Augenblick der Geburt aus Maria. Das war in der Zeit der christologischen Streitfragen wichtig. Jesus war schon bei seiner Geburt der Gottmensch, nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt. Aber mit dem Gebären sind die Aufgaben einer Frau längst nicht erledigt. Ihre Muttersorge bleibt für das ganze Leben des Kindes, wenn auch verschiedenartig. Jesus hat seine Mutter vom Kreuz herab uns zur Mutter gegeben für immer. Wörtliche Übersetzung gibt nicht immer den ganzen Sinn des Wortes wieder.

Was im Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 115–119 über den doppelten Schriftsinn der Heiligen Schrift ausgesagt ist, das kann auch für Gebete gelten (wörtlicher, geistlicher Sinn). Zum geistlichen Sinn werden genannt der allegorische, moralische und anagogische Sinn. „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig (2 Kor 3,6).

Themen & Autoren

Kirche