Stellungnahme von Bischof Gerhard Ludwig Müller zur Judenmission: Das betrifft uns bis in Mark: Was ich besonders schätze: Die Basis des Gesprächs

Unter den vielen so wichtigen Artikeln in den nachösterlichen Ausgaben Ihrer Zeitung gehört für mich derjenige von Bischof Gerhard Ludwig Müller (DT vom 16.4.) zu den ganz wichtigen. Die Stellungnahme zur jüngsten Erklärung des Gesprächskreises „Juden und Christen“ beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken betrifft ja auch unseren eigenen Glauben unter der Frage: Wer ist der biblische Gott bis ins Mark.

Während ich jahrelang versuchte, davon überzeugt zu sein, dass „wir“ die Juden nicht missionieren dürfen, fühle ich mich nun ermutigt, die vielen Hinweise in der Heiligen Schrift wieder unverstellten Blickes zur Kenntnis zu nehmen, die auch die Juden unter dem Heilszeichen des Kreuzes sehen, das für uns ja gleichzeitig ein Bekenntnis zum trinitarischen Gott ist! Mit großer Behutsamkeit wird der Begriff der Missionierung verwendet, eingedenk dessen, dass das christliche Missionsverständnis jedem Zwang entgegen ist. Fast ist es zeichenhaft, dass die neue Auseinandersetzung um das Glaubensverhältnis von Juden und Christen sich an einem Gebet entzündet hat, an der Karfreitagsfürbitte eben. Vielleicht liegen im Gebet auch hier die größten Chancen für das gegenseitige, so verwundbare Verhältnis?

Für die Publikation der Stellungnahme von Bischof Müller zum ZdK-Papier „Nein zur Judenmission“ danke ich Ihnen. Der Bischof bezieht klar Stellung, dass es keine Differenzierung bezüglich des Wahrheitsgehaltes des Alten und des Neuen Testaments gibt. Mir ist noch die Antwort eines Kaplans in den Ohren, der – wie aus der Pistole geschossen – auf meine Frage, warum für Juden die Bibel als unumstößliche Autorität gilt, während das Neue Testament, zwar in derselben Tradition geschrieben, nicht einfach so akzeptiert werden kann, antwortete: das Neue Testament ist nach Ostern und sehr viel später – 2. Jahrhundert – von vielen Autoren geschrieben worden, wobei interessegeleitete Interpretationen niedergeschrieben wurden. Das NT ist also schriftlich verfasste Ideologie! Im Sinne der oft als sakrosankt aufgefassten historisch-kritischen Methode sind Kleriker-Generationen ausgebildet worden. Ein exzellentes, ziemlich intelligentes Beispiel für sophistische Wortverdrehungen sehe ich im „Credo“ von Hans Küng. Also, Dank und Anerkennung an Bischof Müller! Solche Informationen schätze ich in der „Tagespost“.

Vielen Dank für den Abdruck des Beitrags von Bischof Müller. Man kann diesem Text nur weite Verbreitung wünschen. Das sind zentrale und wesentliche Gedanken, die die Basis des christlich-jüdischen Gesprächs, das uns allen am Herzen liegen sollte, ausmachen.

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