Stammzellforschung und Bioethik: Weiter kritisch berichten

Mit großem Interesse habe ich die Leserzuschrift zu Bioethik und Stammzell-Debatte von Herrn Manfred Thelen (DT vom 2. Dezember) gelesen. Es ist richtig, den Blick auch auf die Menschen zu lenken, welche ihre alleinige, letzte Hoffnung auf die embryonale Stammzellforschung richten. Diese Menschen, von denen Herr Thelen selbst schmerzlich weiß, tragen ein schweres Kreuz. Eine öffentliche, breitere Diskussion ist hier dringend erforderlich.

Die getöteten „überzähligen“ Embryonen aus Vorgängen künstlicher Befruchtung hält er für das eigentlich ethisch Verwerfliche. Mehrmals habe ich mir diesen Absatz durchgelesen und frage mich, was für Herr Thelen genau verwerflich ist: die getöteten Embryonen oder die überzähligen Embryonen oder gegebenenfalls generell die künstliche Befruchtung?

Zur Gewinnung von Stammzelllinien werden Embryonen getötet. Rechtfertigt das eigene Leid, das Leid des Angehörigen oder tausender Leidensgenossen die Tötung eines anderen menschlichen Lebens? Kann es sein, dass wir alle einen neuen Bezug finden müssten, um mit dem Leid – des eigenen oder Nächsten – umgehen zu können?

Das Gebot „Du sollst nicht töten“ sollte bei dieser Debatte der Befürworter und der Gegner der embryonalen Stammzellenforschung nicht aus den Augen verloren werden. „Die Tagespost“ sollte wie bisher kritisch und wach über dieses Thema berichten.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann