Sprache und Lebensschutz: Ungeborener Mensch, nicht Leben

Sprache und Lebensschutz

Danke der „Tagespost“ für den Gastkommentar zur Abtreibung von Christiane Lambrecht, der bayerischen Landesvorsitzenden der Christdemokraten für das Leben (DT vom 14. März). Sie beklagt die landauf, landab betriebene Abschaffung der Paragraphen 218 und 219 StGB, deren ursprüngliches Ziel es war, die dem Staat durch das Grundgesetz aufgegebene Pflicht zum Schutz des Lebens auch für seine noch nicht geborenen Bürger zu flankieren.

Besonders positiv empfinde ich Frau Lambrechts Wortwahl „der ungeborene Mensch“ zur Bezeichnung des Hauptopfers jeder Abtreibung. Üblich ist heute zur Bezeichnung des ungeborenen Kindes der entpersönlichte Begriff vom „ungeborenen Leben“. Dieser Begriff geht auf den Bioethiker Peter Singer zurück. Er sieht den Kindermod nicht nur während der gesamten Schwangerschaft als zulässig an, sondern nach Qualitätsprüfung des Neugeborenen auch noch bis zu einem Monat nach der Geburt.

Auch für Singer ist jeder Mensch ganz selbstverständlich von der Verschmelzung von Ei und Samenzelle an Mitglied der Spezies Homo sapiens, Mensch aber erst als selbstbewusstes, rationales Wesen. Erst der rationale Mensch genießt nach Singer Lebensrecht und Lebensschutz. Vor der Bewusstseinsschwelle sind wir, immer nach Singer, nur „menschliches Leben“ Dieses ist, so Singer, wie das Leben der Tiere, in die freie Verfügungsgewalt der Menschen gegeben.

Singer anerkennt in seinem Buch „Praktische Ethik“ (Reclam 1994, S. 122), dass der von unseren Gründungsvätern nach den Erfahrungen der Nazizeit in unsere Verfassung hineingeschriebene, von der Politik in den Jahren seither aber immer weiter ausgehöhlte Lebensschutz ursprünglich auf das Christentum zurückgeht, das die Heiligkeit des Lebens in Anlehnung an Gottes Gebot verteidigt. Diese christliche Position sieht Singer aber als revisionsbedürftig an. Zur Unterscheidung vom zu schützenden „Menschen“ führt er deshalb für das bei ihm schutzlose ungeborene oder frischgeborene Kind den Begriff „menschliches Leben“ ein.

Mit der Bezeichnung „ungeborenes Leben“ für noch nicht geborene Menschenkinder haben sich Politik, Kirche und sogar viele Lebenschützer längst den Singer'schen Vorgaben angeschlossen. Selbst unsere Bischöfe bemerken oft nicht, wie sie, wenn sie von noch nicht geborenen Kindern reden, mit der Verwendung des den Schutzstatus abqualifizierenden Fehlbegriffs „ungeborenes Leben“ aus der Singer'schen Bioethik bereits ihre eigene Position zum Lebensschutz schwächen. Umso erfreulicher deshalb der von Christiane Lambrecht statt „ungeborenes Leben“ verwendete faktengerechte Begriff vom „ungeborenen Menschen“ für das noch nicht geborene Kind.

Anton Graf von Wengersky,

85567 Grafing

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