Sophie Scholl und Kardinal John Henry Newman: Über das Ziel hinausgeschossen

Zu: „Gott spricht durch das Gewissen. Studien befassen sich mit dem Einfluss der Schrift von Kardinal Newman auf Sophie Scholl“ („Die Tagespost“ vom 11. April): Da ich im vorbezeichneten Artikel namentlich genannt werde, wurde ich von mehreren Seiten auf die Aussage von Fr Dermot Fenlon CO (Birmingham) angesprochen, die von der klaren „Zentralität“ Newmans für die Geschwister Scholl ausgeht. In seiner Begeisterung ist Oratorianer Dermot Fenlon hier ein wenig über das Ziel hinausgeschossen.

In aller Kürze möchte ich die weltanschaulichen Einflüsse, die auf Sophie Scholl wirkten, so zusammenfassen: Im Jahre 1941 gestand Sophie Scholl ihrer Freundin Susanne Hirzel gegenüber: „Ich könnte nicht leben ohne die ,Bekenntnisse des Augustinus‘.“ Ebenfalls 1941 zeigte ihr Sophie Scholl ein Buch von Kardinal Newman und meinte dabei: „Was? Den kennst du nicht? Da steht dir eine herrliche Welt bevor!“ Wichtig für Sophie Scholl war auch die Lektüre der renoveau catholique (Paul Claudel, Georges Bernanos) sowie der Pensées von Pascal. Natürlich auch die Bibel (vor allem die Psalmen und der Römerbrief des Paulus). An Ostern 1941 schrieb Sophie Scholl aus dem RAD-Lager Krauchenwies (bei Sigmaringen) an ihre Freundin Lisa Remppis: „Sonst habe ich den Augustinus, Gestalt als Gefüge, bei mir, was mir verständlicherweise manche spöttische Bemerkung einträgt.“

Zu guter Letzt: Als Hauptmann Fritz Hartnagel, Sophie Scholls Verlobter, auf seinem Genesungsurlaub im April 1943 in Ulm weilte, kümmerte er sich auch um die Familie Scholl, die sich in Sippenhaft befand. Bei einem Besuch im Gefängnis schenkte er ihnen die von Theodor Haecker übersetzte und ausgewählte Predigtsammlung „Kirche und Welt“ (Leipzig 1938) von John Henry Newman.

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