Politiker, Doktorarbeiten und immer wieder Plagiatsvorwürfe : Das wird wohl zum Volkssport : Das Ansehen der Universitäten beschädigt : Die innere Stimmigkeit ist maßgebend

Wieder sitzt ein Politiker wegen seiner Dissertation auf der Anklagebank. Diesmal ist es der Miesbacher Landrat und Präsident des Landkreistags Jakob Kreidl (CSU). Er steht unter Verdacht, bei seiner Doktorarbeit zum Teil geltende Vorschriften verletzt zu haben. Die Internetplattform Vroniplag macht also wieder von sich reden. Mir scheint, das Untersuchen von Dissertationen wird zum Volkssport. Die Frage, wem das nützt und wer beschädigt werden soll, ist allerdings ziemlich offensichtlich.

Dem Leserbrief von Georg Kretz in Sachen Schavan (DT vom 23. Februar) kann ich nur zustimmen. Man muss die Rolle der Universitäten in dieser Hinsicht unter die Lupe nehmen. Einmal fällt es auf, dass seit der Affäre Guttenberg immer nur Prominente der Union und der FDP „überführt“ werden. Schon bei Guttenberg war es merkwürdig, dass der Doktorvater angeblich nichts vom Abschreiben des Doktoranden gemerkt haben will. Ich habe zwanzig Jahre das Lektorat eines wissenschaftlich theologischen Verlages geleitet und kein Google-Programm gebraucht, um Ungereimtheiten in Sachen Zitation in einem Manuskript zu entdecken, sei es in einem Bruch des Schreibstils, sei es in der Grammatik in einem Satz.

Noch unglaubwürdiger ist der Zeitfaktor (über 32 Jahre nach der Abgabe der Arbeit von Frau Schawan), bis man ihre Arbeit untersucht hat. Man kann hinter dem Ganzen auch eine Intrige vermuten (Ein Schuft, der Böses dabei denkt).

Um die Überlegungen von Herrn Kretz weiterzuführen, sollten die Dissertationen und Habilitationen aller zwölf Professoren, die für die Entziehung des Doktortitels von Frau Schavan gestimmt haben, auf die gleichen Vorwürfe untersucht werden. Vielleicht gibt es interessante Ergebnisse. Auf alle Fälle sollten in Zukunft vor der Ernennung zum Professor die Doktorarbeit und Habilitationsschrift eines jeden Kandidaten auf Unkorrektheiten untersucht werden. Da uns Deutschen besondere Gründlichkeit nachgesagt wird, sollten sich Bund und Länder auf ein entsprechendes Gesetz einigen, um das wankende Ansehen der deutschen Universitäten wieder herzustellen.

Zum Kommentar „Der Rücktritt wäre konsequent“ (DT vom 7. Februar): Frau Schavan musste wie ich zur Abgabe ihrer Dissertation ein Formular unterschreiben, in dem Sie erklärt, keine fremde Hilfe in Anspruch genommen zu haben, wissenschaftlich korrekt zitiert zu haben. Auf diese Aussage muss sich der Doktorvater verlassen können. Man kann hier nicht dem Doktorvater – ich musste selbst schon wissenschaftliche Arbeiten begutachten – verantwortlich machen, denn man vertraut doch der Redlichkeit des Promovierenden, zumal er dies schriftlich noch zugesichert hat. Es bleibt wohl den Universitäten nichts anderes üblich als die gängige Form der Erklärung durch eine eidesstattliche Versicherung zu ersetzen, damit die Betrüger ohne Wenn und Aber die entsprechende Strafe ihres Betruges erleiden müssen. Ich selbst habe nie überprüft, ob die Quellenangabe stimmt, ob der Text authentisch von dem Promovierenden ist, das würde geradezu jede Überprüfung sprengen, allein die innere Stimmigkeit ist maßgebend.

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