Papst Benedikt XVI. besucht Pater Pio: Das Problem mit dem Beichtstuhl: Unverkrampftheit wäre gut: In Italien ist er allgegenwärtig

Zum Artikel von Martin Zöller „Padre Pio weist den Weg zum Gebet“ (DT vom 23. Juni): Der Artikel von Martin Zöller ist gut gemeint und vor allem loyal zum Papst. Ich sehe allerdings ein Manko, das für den deutschen Katholizismus, auch den „guten“, typisch ist: Gegenüber mystischen Phänomenen kultiviert man ein traditionelles, dennoch aber letzten Endes kleinkariertes Vorurteil: solche Dinge wie Bilokation, Stigmata oder „Geruch der Heiligkeit“ gibt es in Wirklichkeit nicht (eine gewisse, inzwischen überholte, Richtung der Exegese lässt grüßen), da wissen wir ja mehr als die naiven Italiener, da stehen wir nun mal drüber. Das alles ist entweder nur metaphorisch gemeint oder aber schlicht südländischer Gefühlsüberschwang.

Was konkret die Stigmata des heiligen Pio betrifft, ist die flotte Bemerkung von Zöller inakzeptabel: „...zu fanatisch (!) klingen die Geschichten, die sich um ihn ranken von der Gabe, an zwei Orten gleichzeitig zu sein bis zu seinen Wundmalen, die, so sagen Forschungen (...), mehr von banaler Säure als Christusähnlichkeit herrühren. Doch das alles interessiert den Papst an diesem Tag in San Giovanni Rotondo nicht“. Dazu zwei Bemerkungen. Erstens) Es soll insinuiert werden, dass Benedikt XVI. auch „darüber steht“. Ich zitiere aber dagegen: Benedikt XVI. erinnerte weiter daran, dass Pater Pio von Pietrelcina einer der Heiligen sei, die diese Erfahrung Jesu intensiv und persönlich erlebt hätten. „Die Wundmale, die seinen Körper zeichneten, verbanden ihn aufs Engste mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Als echter Anhänger des heiligen Franz von Assisi machte er sich – wie der Poverello – die Erfahrung des heiligen Paulus zu eigen, wie er sie in einem seiner Briefe beschreibt: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,19-20); oder: „So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht“ (2 Kor 4,12).

Zweitens) Was die Säure angeht: Die Andeutung, dass an dieser Verleumdung (die übrigens erst vor drei Jahren generiert worden ist) etwas Wahres sein könnte, ist eine grobe Respektlosigkeit gegenüber dem Leiden Christi und gegenüber der Kirche. Denn falls daran auch nur ein Quäntchen Wahrheit wäre, wie kann die Kirche einen solchen betrügerischen Menschen heilig sprechen?

Natürlich hat der rationalistische Zeitgenosse – vor allem hierzulande – immer das Bedürfnis, solche „fanatischen“ Details aus dem Leben der Heiligen (die zugegebenermaßen natürlich nicht das Wichtigste sind) wegzuinterpretieren, nach der Devise, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“. Schon zu Lebzeiten von Pater Pio hat es nicht an Stimmen gefehlt, die, obwohl die Wundmale mehrfach im Auftrag der Kirche einer rigorosen Prüfung unterzogen worden sind, was dagegen hatten. Amüsant der Dialog zwischen einem solchen aufgeklärten, psychologisch gebildeten Christen und Pater Pio:

„Nicht wahr, Pater Pio, Sie haben sich so intensiv und andächtig mit dem Leiden des Herrn befasst, sich das so sinnfällig vorgestellt, dass bei Ihnen selbst die Wundmale erschienen sind?“ Worauf der gar nicht weltfremde und abgehobene Mönch etwas derb erwiderte: „Mein Herr, nicht wahr, wenn Sie sich nur ganz intensiv vorstellen, dass Sie ein Ochse sind, so werden Ihnen wahrscheinlich dennoch keine Hörner wachsen.“ Bleiben wir dabei, das Wichtigste im Leben der Heiligen sind diese Phänomene nicht, aber sie gehören wohl dazu. Bei Pater Pio war es sicher so, dass die Leute zunächst aus Neugierde zu ihm kamen und dann aber in seinem Beichtstuhl landeten. Vielleicht ist Letzteres ein zweiter Grund dafür, dass Pater Pio bei uns Deutschen noch nicht richtig angekommen ist.

Vielen Dank für die Berichterstattung zum Papstbesuch bei Pater Pio. Das zeigt einmal mehr, warum es die „Tagespost“ dringend braucht. Eine Anmerkung hätte ich doch: Wir sollten ruhig den Mut haben, unverkrampft mit übernatürliche Phänomene wie Stigmata umzugehen. Da steht uns unser ach so aufgeklärter Verstand oft im Weg. Ob der ausreicht, die Taten Gottes wirklich zu begreifen, darf man bezweifeln.

Schön, dass die DT so ausführlich über Pater Pio berichtet hat. In Italien ist der Heilige allgegenwärtig. In Deutschland erlebe ich oft ein verkrampftes Verhältnis zu diesem großen Gottesmann. Eigentlich schade!

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