Österreichs Familienbischof Klaus Küng über Kirche, Aids und Kondome: „So wird das Prinzip auf den Kopf gestellt“

Bischof Klaus Küng hat mit viel Fachkenntnis und Behutsamkeit versucht, die schwierige Frage des Umgangs mit Aids-Infizierten im Sinne der katholischen Moral zu lösen (DT vom 17. Juli). Dabei scheint er jedoch in einem wichtigen Punkt die Lehre von Humanae vitae missverstanden zu haben. Einerseits gibt er zu bedenken, dass es bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr mit der gleichen Person früher oder später trotz Verwendung eines Kondoms zur Infektion des gesunden Partners kommen kann. Andrerseits behauptet er, dass es „zum relativ besseren, jedoch nicht absoluten Schutz des anderen erlaubt oder sogar geboten sein kann, ein Kondom zu verwenden“.

Bischof Küng beruft sich auf Humanae Vitae, wo jene therapeutischen Maßnahmen erlaubt werden, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, „auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt“ (Nr. 15). Hier geht es um das moralische Prinzip der Doppelwirkung einer Handlung, von der die eine positive Wirkung (hier: therapeutische Maßnahme) gewollt, die andere als unvermeidbare Nebenwirkung (hier: eine mögliche Zeugungsverhinderung) in Kauf genommen wird.

Etwas ganz anderes ist es, wenn ich etwas in sich Schlechtes (kondomistischer Geschlechtsverkehr) tue, um Gutes zu bewirken (Aids zu vermeiden). Gerade dieses Prinzip: „Der Zweck heiligt die Mittel“, wird ausdrücklich von Humanae vitae (Nr. 14, vgl. Röm 3, 8) verworfen. Der Unterschied zwischen einer den weiblichen Zyklus regulierenden, aber möglicherweise eine Empfängnis verhindernden Pille und einem Kondom ist der Unterschied zwischen einer indirekten und nicht intendierten Wirkung auf den ehelichen Akt und einem direkten Eingriff in den Akt selber, der diesen unmittelbar seiner Fruchtbarkeit und damit seiner Integrität als Akt der ehelichen Liebe beraubt.

Außerdem ist zu bemerken, dass das Kondom kein therapeutisches Mittel ist, sondern in diesem Fall empfohlen wird in der unsicheren Hoffnung, eine tödliche Infizierung zu verhindern. Nach dem Prinzip der Doppelwirkung einer Handlung würde dies bedeuten, dass eine in sich unsittliche Handlung primär intendiert wird, um eine gute Nebenwirkung zu erzielen. So wird das Prinzip auf den Kopf gestellt.

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