Ökumene: Vor zehn Jahren erschien „Dominus Iesus“: Die Wirklichkeit der Kirche verstehen

Zu Recht haben Sie dem 10. Jahrestag der Erklärung Dominus Iesus zum 6. August eine ganze Seite gewidmet („Nur der Staub des ignoranten Stolzes“, DT vom 5. August). Denn das ökumenische Ringen um das authentische Verstehen der Wirklichkeit der Kirche und ihrer Sendung darf nicht ruhen – auch wenn es wirklich mühsam, sogar lästig ist. Denn die Wirklichkeit der Kirche ist immer größer als unsere jeweilige kirchliche Befindlichkeit, denken wir nur an ihre innerste Berufung, das eine Volk Gottes aus Juden und Heiden zu sein, „damit die Welt glaube“ (Joh 17,21) – und die Erklärung Dominus Iesus, so empfindlich sie sich ausdrücken mag, lädt die Getauften ein, sich auf diese größere Wirklichkeit der Kirche hin zu begegnen und heute durchzubuchstabieren, was aufgrund geschichtlicher Entwicklungen verdeckt, sogar schuldhaft verschüttet worden ist und neu entdeckt werden soll. Wenn die Erinnerung daran eine ökumenische Chance ist, dann tut allerdings die Überschrift, die Sie ihrem Beitrag gegeben haben weh: „Nur der Staub des ignoranten Stolzes“ – und ich muss persönlich hinzufügen: ich komme auch nicht mit dem Duktus des Beitrags von Bischof Gerhard Ludwig klar: Wer sind seine Adressaten? Wen will er motivieren, wen korrigieren? Was soll nach zehn Jahren eine Abrechnung mit der Haltung jener, die damals getrieben waren, von Deutschland aus die kritisch-öffentliche Debatte anzuführen? Kann so das nötige Ringen im Gespräch neu eröffnet werden?

Mich schmerzt, dass mit so viel Aufwand die Chance vertan wurde, einen neuen Ton in die ökumenische „Debatte“ zu bringen beziehungsweise in Demut (auch der Sprache) jene Spur zur Schönheit und Fülle der Kirche und ihres Auftrag zu ziehen, an dem teilzuhaben und mitzuwirken alle Getauften eingeladen sind.

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