Nichtwählen ist nicht christlich: Gewissen geht vor Nützlichkeitsfragen

Bitte gestatten Sie mir eine Antwort auf den Leserbrief „Nichtwählen ist nicht christlich“ von Prälat Arnold Poll (DT vom 27. August).

Zunächst ist Prälat Poll uneingeschränkt zuzustimmen, dass sich Lebensschützer in den Parteien für den Lebensschutz engagieren. Auch Nichtwählen ist, insbesondere nach der Aufforderung unserer Bischöfe, für uns Christen keine Lösung.

Allerdings möchte ich der unterschwelligen Aufforderung des „kleineren Übels“, deshalb die CDU/CSU zu wählen, entschieden widersprechen.

Da eine erhebliche Anzahl der CDU/CSU-Abgeordneten zu meinem Entsetzen in den Abstimmungen des gesetzgeberischen Bundestages für die Tötung ungeborenen Lebens gestimmt hat, würde mich nach meinem Gewissen eine Stimmabgabe für diese Partei in die Mittäterschaft führen. Gottes Gebot: „Du sollst nicht töten!“ gilt uneingeschränkt und kompromisslos! Kein Mensch darf mittelbar oder unmittelbar an der Tötung eines anderen Menschen mitwirken!

Für Prälat Proll kommen andere Parteien nicht in Frage, da diese bedeutungslos seien. Das ist aus heutiger Sicht sicher richtig. Solange nicht genügend Christen (mehr als fünf Prozent der Wähler) keine konsequente Lebensschutzpartei wählen, bleibt diese bedeutungslos.

Ich kann und darf jedoch meine Gewissensentscheidung nicht einer Nützlichkeitserwägung unterwerfen, und muss deshalb hoffen, dass der Heilige Geist ausreichend viele Christen erleuchtet ebenso zu entscheiden. Dann besteht die Chance, dass eines Tages eine solche kleine Partei die großen, leider nur noch auf dem Papier christlichen Parteien zwingt, wieder das fünfte Gebot uneingeschränkt und kompromisslos durchzusetzen.

Dass eine solche Hoffnung nicht unrealistisch ist, beweist meines Erachtens das Beispiel der „Grünen“ beim Umweltschutz.

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