Nächstes Kapitel im griechischen Schuldendrama: Drittes Hilfspaket soll Grexit verhindern, doch zunächst muss Athen liefern : Der Wahrheit ins Auge schauen : Haferbrei mit Essig als Haute Cuisine verkauft : Schwere Vorwürfe statt Mea culpa : Die Krise und

Was wohl Sokrates, Platon und Aristoteles zu den „Leistungen“ der Regierung Tsipras sagen würden? Zumindest würden sie wohl dazu raten, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Und die heißt nun mal, ohne Reformen kommt kein Land aus einer derart tiefen Krise. Wer etwas anderes sagt, der lügt oder macht sich selbst etwas vor oder beides. Zur Wahrheit gehört auch: Der Grexit ist noch lange nicht vom Tisch.

So ein Unsinn. Was ist das nur, was da nun als „Einigung“ verkauft wird? Haferbrei mit Essig, angepriesen als Haute Cuisine? Vielleicht wäre das sogar noch nett formuliert. Ein wenig denke ich, das ist ein Schierlingsbecher für Griechenland und Europa insgesamt. Und den Beobachter macht schon stutzig, dass nun fast alle Beteiligten unisono krähen, dass es ein guter, ein großer Tag für Europa ist, der Tag, an dem man sich geeinigt hat, Verhandlungen über das dritte Hilfspaket aufzunehmen, sofern Griechenland dies und jenes tut, die Parlamente zustimmen und es am Mittwoch nicht regnet oder eine Sonnenfinsternis kommt oder oder oder. Es gibt zwei Aspekte, die von vornherein befürchten ließen, dass da bestenfalls ein „nettes“ Ergebnis herauskommen würde, wobei wir uns erinnern, dass „nett“ die kleine Schwester von „Mist“ ist.

Erstens: Wenn man Menschen unterschiedlicher Meinungen in ein Zimmer sperrt und diese unter Zeit- und Erfolgsdruck eine Entscheidung über ein extrem komplexes Thema treffen müssen, kommt Mist dabei heraus. Zweitens: Wenn man vorher so „schlau“ ist, die jeweiligen Bürger hochzupushen, ob die Griechen auf der einen oder die angeblichen „Aderlass-Bürger“ der restlichen Eurozone auf der anderen Seite, hat man die in solchen Situationen nicht hinter sich, sondern im Nacken sitzen. Und da man da entsprechend unqualifizierte, dann aber umso starrere Haltungen gezüchtet hat, kann das kein Vorteil sein. Das Ergebnis haben wir nun auf dem Tisch.

Immer wenn mich meine Kinder beim Mogeln oder Nasebohren erwischt haben, habe ich Ihnen vorgehalten: Quod licet Iovi non licet bovi. Dieses geflügelte Wort fällt mir ein, wenn ich die Behandlung des überschuldeten Griechenlands mit dem überschuldeten Normalbürger vergleiche. In freier Übersetzung scheint sich Griechenland alles erlauben zu dürfen, was Otto Normalbürger versagt ist. Dabei haben beide über ihre Verhältnisse gelebt, das heißt, mehr ausgegeben als sie eingenommen haben. Statt mit einem Mea Culpa sich an die eigene Brust zu schlagen, darf Griechenland mit Vorwürfen wie Demütigung, Terrorismus oder Erpressung berechtigte Forderungen der Geldgeber erwidern. Die Haltung unserer Bundeskanzlerin kann ich nur nachvollziehen, wenn ich daran denke, dass man nach Matthäus 5,39 auch die linke Backe hinhalten soll. Ob unsere Bundeskanzlerin daran gedacht hat, bezweifle ich trotz ihrer Beteuerung von Werten.

Das Fest des heiligen Benedikt am 11. Juli hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, das in der Diskussion über Griechenland nie gesehen wird. Wir setzen einfach das Arbeitsethos, wie es im westlichen Europa gilt, auch für andere Länder voraus. Das ist aber nicht richtig.

Im griechisch-römischen Altertum war körperliche Arbeit eine Sache der Sklaven. Nur in Israel hatte sie einen hohen Stellenwert. Jesus arbeitet als Zimmermann, ein Teil der Apostel als Fischer, Paulus als Zeltmacher. Daran orientierte sich auch Benedikt in seiner Regel und in seinen Klöstern. In der Kurzformel „Ora et labora“, „Bete und arbeite“, die so prägnant gar nicht in Benedikts Regel steht, hat man das Wesentliche im Vergleich zu vorhergehenden Ordensregeln zusammengefasst. Auch die körperliche Arbeit ist Auftrag Gottes.

Dies wurde in Hunderten von Klöstern und von Tausenden von Mönchen über Jahrhunderte hindurch im ganzen westlichen Europa verkündet und gelebt. Das geschah aber nur in den Ländern, die zur römisch-katholischen Kirche gehörten. Nur dort gab es Benediktinerklöster, nicht im Bereich der Orthodoxie, wie zum Beispiel in Griechenland.

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