Moralischer Relativismus führt in die fragmentierte Gesellschaft: „Deutsche bringen kaum noch Kultur hervor“

Selten hat ein Leitartikel mir derart aus dem Herzen gesprochen! Völlig zu recht lenkt Stefan Rehder den Blick von kleinkarierten Zänkereien über den Begriff der „Leitkultur“ hin zur Kultur als solcher. Voraussetzung für eine kulturelle Entwicklung ist lebendiges, organisches Volkstum. Ein solches existiert nicht mehr in Deutschland, es ist verdunstet und versiegt – auch wenn kein einziger Nichtdeutscher hier leben würde. In Umkehrung des NS-Slogans „Du bist nichts, dein Volk ist alles!“ wurde hierorts seit Jahrzehnten (medial und schulisch) das Ideal des hedonistischen Egomanen mit dem Ziel der eigenen Triebbefriedigung proklamiert, sozusagen „Dein Volk ist nichts, du bist alles!“ Oder mit den treffenden Worten des Autors: Ein jahrzehntelang gepflegter maßloser Individualismus und moralischer Relativismus haben uns eine fragmentierte Gesellschaft beschert. Da folgenloser Geschlechtsverkehr die Triebbefriedigung fördert, nahmen vorgeburtliche Kindstötung und Verhütung massiv zu. Als Ergebnis dieser egoistischen Sichtweise, der nur noch das eigene Ich umfassende Kosmos, sind genau die Generationen abgetrieben oder verhütet worden, die heute zum Überleben des Volkes nötig wären. Der Autor legt präzise den Finger in die Wunde, wenn er hier die kritische Frage nach dem „Vorrat an Gemeinsamkeiten“ stellt. Das „Deutsche Volk“ als Träger des Volkstums ist mittlerweile zur rechtlichen Fiktion geworden. Wenn die eigene Kanzlerin folgenlos das Volk als „diejenigen, die schon länger hier leben“ umschreiben kann, ist es wohl bereits „fünf nach Zwölf“.

Die unbedingte Voraussetzung einer „Leitkultur“, nämlich ein deutsches Volk mit gemeinsamer Geschichte und Erlebnissen im Generationengedächtnis, gemeinsamer Sprache und Kultur (natürlich mit regionaler Ausdifferenzierung) existiert heute höchstens noch fragmentarisch. Derzeitig gibt es lediglich eine (noch) größtenteils deutsch sprechende Wohnbevölkerung, und damit fehlt das für die „fortlaufende, kollektive Selbstbefragung“ erforderliche Kollektiv. Denn Stefan Rehder hat präzise den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn er klarstellt: „In Wahrheit ist Deutschland – auch ganz ohne Ausländer – längst zu Gast bei Menschen, die einander fremd geworden sind.“ Die politisch – zuerst verdeckt als „Zusammenführung“ von „Gastarbeiterfamilien“, dann – offen als „Multikulti“ und „Bereicherung“ geförderte Zuwanderung fremdstämmiger Völkerschaften führt lediglich zur Verschärfung der Krise, ist aber beileibe nicht deren Ursache. Eine bürokratisch penibel ausgearbeitete Leitkultur, die „per ordre de mufti“ von oben mit Handlungsanordnungen umgesetzt wird, wäre nicht die Heilung, sondern lediglich das Symbol unübersehbaren Versagens einer innerlich zutiefst verunsicherten, weil kulturell degenerierten Gesellschaft. Die heute lebenden Bevölkerungsschichten ohne „Migrationshintergrund“ sind flächendeckend nicht in der Lage oder willens, eine nennenswerte Kulturkomponente hervorzubringen. Sie begnügen sich in der Regel mit der politisch-medial geförderten Rolle eines kulturell sterilen Fernsehkonsumenten. Anders ist der Erfolg der berüchtigten Vierbuchstabenformate wie „DSDS“, „GNTM“, „GZSZ“ nicht erklärbar. In der heutigen Zeit muss man nichts mehr können, um bekannt zu werden, meistens sind diese Personen nach mehreren Auftritten bei „Castingshows“ oder „Doku-Soaps“ halt dafür bekannt, bekannt zu sein und werden vom „Normalbürger“ dafür kritiklos angehimmelt. Eine „Deutsche Kultur“ findet (bestenfalls) im Museum oder Geschichtsbuch statt, wird aber kaum mehr gelebt oder weiter entwickelt. In Radio und Fernsehen sind täglich traurige Beispiele eines noch nie dagewesenen Wissens- und Kulturverfalls in allen Schichten und Altersstufen zu verzeichnen. Auch in älteren Jahrgängen ist die in den 50er Jahren noch Allgemeinwissen genannte Bildung nicht mehr selbstverständlich. Und solange Deutschland Leitbilder aus der seichten Unterhaltung wählt, wird sich daran auch sicherlich nichts ändern...

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