Missverständliche Formulierungen in der Liturgie?: Das Opfer Christi wird immer neu dargebracht

Zur Kritik von Pfr. i. R. Egmont Franz Topits am „Orate fratres“ im Römischen Messbuch (DT vom 29. November) ist zu sagen: Das Opfer Christi wird nicht nur gegenwärtig unter den Gestalten von Brot und Wein, sondern – wie es in einer alten Präfation zum Sakrament des Altares (im Missale von 1962 im Anhang) heißt – Christus hat seinen geopferten Leib und sein ausgegossenes Blut „uns zum Opfer anvertraut“. Die einmalige Darbringung seiner selbst als das Versöhnungsopfer des Neuen Bundes ist der Kirche anvertraut, damit auch sie sich selbst zusammen mit dem Opfer Christi darbringen kann: „durch Ihn und mit Ihm und in Ihm“. Eine Vergegenwärtigung des Opfers Christi unter den Gestalten von Brot und Wein zur dankbaren Erinnerung könnten auch die Protestanten noch annehmen, nicht aber die erneute Darbringung dieses Opfers durch die Kirche „für die Lebenden und Verstorbenen“ (Konzil von Trient). Dies kommt – auch im Missale Pauls VI. – durch das „offerimus“ (im ersten Gebet nach der Wandlung: „wir bringen dar“) der verwandelten Gaben zum Ausdruck, wird aber schon vorbereitet durch die Gebete der Gabenbereitung beziehungsweise Opferung und durch das „Orate fratres“. „Mein und euer Opfer“ heißt es, weil der Priester das Opfer darbringt „in persona Christi“ durch das besondere Priestertum, die Gläubigen aber – so wie auch der Priester als einfacher Gläubiger – im allgemeinen Priestertum aller Getauften.

Man sollte die im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende gewachsenen Gebete nicht so voreilig als missverständlich abtun. Vielmehr sorgten die „aufgeklärten“ Neuformulierungen der Jahre nach 1968 für Missverständnisse.

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