Mein junger Glaube im Alltag: Mehr als Brot: Auf den Leuchter

Gemeinsamer Erfolg

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Am vergangenen Samstag durfte ich in Tabgha am See Genezareth an den Feierlichkeiten zum Brotvermehrungsfest teilnehmen. Jeder kennt die Erzählung, wo Jesus die ihm folgenden Menschen speist. Johannes 6,11 beschreibt den absoluten Überfluss, den Jesus aus dem Verfügbarem spenden kann. Dabei will er sich eigentlich mit seinen Jüngern zurückziehen, doch durch sein Wirken in Galiläa hat er bereits eine breite Aufmerksamkeit erregt und so folgen ihm die Menschen. Das ist freilich noch keine Jüngernachfolge, sondern ein Nachfolgen, das auf Neugier und Erwartung beruht. Die Menschen gehen ihm in die Wildnis nach und vergessen darüber, das zum Leben Notwendige mit sich zu nehmen. Noch ehe die Menschenmenge allerdings den Hunger spürt, stellen die Jünger die Frage, woher sie Brot für alle nehmen sollen. Ohne gebeten zu werden öffnet der Menschensohn dann gleichermaßen seine Arme und eine himmlische Fülle ergießt sich über alle, die bei ihm sind. Durch das Wirken Jesu wird deshalb ein Ausblick auf einen paradiesischen Zustand gegeben, der durch die Erhöhung am Kreuz letztlich allen Menschen zuteil werden wird, die ihm nachfolgen.

Die Speisung der Menschenmenge endet damit, dass die Menge sich in ihrer Erwartungshaltung bestätigt fühlt. Sie haben das Zeichen gesehen, im oberflächlichen Sinne seine Wunderkraft. Als Jesus dies erkennt, zieht er sich allein zurück, denn er erkennt ihren Wunsch, ihn zum König zu machen. Die Menschen wollen ihn in ihren Dienst nehmen und an seiner Kraft teilhaben. Dem Betrachter dieser Situation wird klar, welch fehlerhafte Vorstellung die Menge von Jesus hat. In ihrer Form der Nachfolge erkennen sie nicht die wahre Bestimmung des Messias, der Himmel und Erde, Leben und Tod versöhnen soll. Für sie ist er ein mächtiger Wundertäter. Sie erkennen mit den Augen, aber nicht mit dem Herzen. Deshalb ist ihre Nachfolge auch eigentlich zum Scheitern verurteilt. Die echte Nachfolge gründet vor allem auf einer Entscheidung. Diese muss auf einem Vertrauen gründen, das man der Sache entgegenbringt. Die Menschenmenge folgt Jesus, weil sie Zeichen gesehen haben, die er an Kranken getan hat. Ihre Vermutung bestätigt sich nun im Zeichen der wunderbaren Speisung. Anstatt jedoch zum Glauben an den Messias zu kommen, wollen sie ihn für ihre irdischen Bedürfnisse verzwecken. Als König soll er für sie Verantwortung übernehmen. So verkennen sie den eigentlichen Blickwinkel, den Jesus mit seinem Speisungswunder erhellen will: Den Blickwinkel der größeren Existenz des Himmelreiches, der jedem zuteil werden kann, der ihm nachfolgt.

Der Autor, 24, studiert Katholische Theologie in Regensburg

Brittany Maynard ist tot, die Amerikanerin, die in den letzten Wochen ihren eigenen Tod wegen eines Gehirntumors angekündigt hat. Die Presse berichtet, sie habe ihren Freitod, so der trügerische Begriff, nun im Kreise der Familie „in Würde“ vollzogen. Abgesehen von der Frage, wie der Tod, den Heidegger als persönlichen Weltuntergang bezeichnet, überhaupt jemals freiwillig sein kann, geht für mich damit auch eine intensive Zeit der Debatten im Freundes- und Familienkreis zu Ende, wie mit Sterbehilfe umgegangen werden soll. Ich denke ohne Augenwischerei: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis nicht nur auf indirektem Wege von sogenannten gemeinnützigen Vereinen Sterbehilfe in Deutschland erlaubt sein wird. Kaum einer kann und will noch darüber nachdenken, warum Sterbehilfe eigentlich eben nicht „gut“ sein könnte. Die Argumente dazu sind vielen nicht bekannt. Warum? Es wäre zu leicht zu begründen, dass die Menschen dümmer geworden sind. Weniger Kirchenbesuche? Auch unwahrscheinlich, denn auch in Zeiten der Volkskirche wurde auf der Kanzel nicht über Sterbehilfe debattiert – Kirchgänger wären in dieser Frage nicht geschulter gewesen.

Was den meisten Menschen abhanden gekommen ist, ist die Offenheit, sich im Herzen von Gott berühren zu lassen – auch außerhalb einer Kirche, die Bischofshäuser und Kreuzzüge auf dem Kerbholz hat. Es geht um Gott, um die Frage, ob es einen allmächtigen Herrscher und im christlichen Sinne auch einen liebenden Gottmenschen gibt, der auf die Menschen zugehen will und alles andere verkündet als Beliebigkeit. In gewissen Grenzen kann man eine Debatte über Sterbehilfe auch ohne die Frage nach Gott führen. Der Wert des Lebens in sich und der Sinn alternativer Palliativmedizin erschließen sich auch außerhalb der Gottesfrage. Aber irgendwann stößt man eben doch auf diese Frage: Gibt es ihn? Die Aggressivität, die mir dabei immer wieder entgegenschlug, zeigt, dass selbst ein Anfangsimpuls bei der Gottesfrage mittlerweile auf taube Ohren stößt. Interessanterweise immer begründet mit der fehlerbehafteten Kirche, die in dieser Frage dann plötzlich zweifellos im Auftrag Gottes handelt.

Vielleicht ist das Problem, dass wir uns zu oft in den Diskussionen totquatschen oder zu falschen Kompromissen hinreißen lassen. „Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten“ (vgl. Mt 5,15f) Alle Versuche, auf die Sorgen der Menschen zuzugehen, die immer aus pastoralen Aspekten begründet werden, sind doch offenbar gescheitert. In Belgien, Niederlande, Schweiz, Luxemburg, USA und vielen weiteren Staaten ist die Sterbehilfe zum täglich Brot der Alten oder Kranken geworden. Für die Belgier sogar ab dem Kindesalter. Papst Franziskus ist da ein Vorbild, wenn er zum Beispiel über den Teufel redet. Er glaubt es einfach und denkt nicht darüber nach, was die Medien oder sonst irgendwelche antireligiösen Hassprediger dabei denken. Wir alle sollten für die Menschen beten, die über das Leben, das reines Geschenk und Gnade ist, selbst verfügen wollen – auch für Brittany Maynard.

Der Autor, 22, studiert Betriebswirtschaftslehre in Trier

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