Mehr Mühe geben: Predigten und Lesungen sind akustisch leider oft schwer zu verstehen: Und immer an die Hörer denken

Für den Handel ist Weihnachten mit dem Heiligen Abend zu Ende, für die Gläubigen geht es da erst an. Ich erinnere mich gerne an den Besuch einer Mette am frühen Abend in einer Nachbargemeinde. Es kam ein grauhaariger Herr etwas unbeholfen aus dem Chorgestühl zum Ambo, um sich der Lesung zu widmen. Er klang so ungewohnt, dass ich nach den ersten Sätzen wieder vorschaute. Die Kirche war halb dunkel. Am Ambo gab es kein Licht. Der Herr blickte auch nicht auf eine Vorlage. Also auswendig! Daher dieser ganz andere Redefluss. Nicht affektiert, aber doch lebendig und eingängig. Und das noch dazu bei dieser langen Perikope. Ich war baff und begeistert. Meine Gedanken schweiften ab; leider nicht nach Bethlehem. – Wie viele Jahre studiert ein Priester? Er müsste doch „seine“ Theologie in- und auswendig kennen und es nicht nötig haben, eine kurze Predigt abzulesen (Stichpunkte ausgenommen). Freilich klammert man sich manchmal deswegen an das Papier, weil der Text einer Vorlage entnommen ist. Ich weiß nicht, was als ärger einzustufen ist, eine abgelesene Predigt oder eine Redeweise, die sich nicht darum kümmert, wie sie beim Zuhörer ankommt (Tonfall, Lautstärke, Betonung, Deutlichkeit und das übrigens auch bei vielen Lektoren); aber das Mikro wird's schon machen. – Tut es leider nicht. Warum nimmt man sich Zeit, eine Predigt aufzusetzen (oder herauszukramen) aber nicht die Mühe, sie verständlich vorzutragen? Will man nichts verkünden? Warum nimmt man sich nicht die Zeit, die Verständlichkeit immer wieder zu überprüfen? Es kommt bei der Verständlichkeit nicht nur darauf an, welchen Platz der Zuhörer einnimmt, sondern auch, in welches Mikrofon jemand hineinspricht, wie besetzt der Raum ist. Bei soviel ausgefeilter Technik ist offensichtlich noch niemand darauf gekommen, die für einen Sprecher individuellen Einstellungen einer Übertragungsanlage einspeicherbar zu machen und, wie beim Fernseher oder Radio über Senderwahl auszuwählen. Bei der Orgel gibt es die elektronische Einspeicherung voraus gewählter Registerkombinationen schon jahrzehntelang.

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