Leere Hölle und Brexit: Tusk ist nicht auf neuestem Stand

Leere Hölle und Brexit

Zu „Ist die Hölle leer“ (DT vom 14.3.): Nach dem EU-Gipfel vom 21. März über die Verschiebung des Brexit-Inkrafttretens wurde EU-Ratspräsident Donald Tusk in einem Pressegespräch gefragt, ob die Hölle seiner Meinung nach für jene britischen Abgeordneten vergrößert werden sollte, die voraussichtlich erneut gegen den ausgehandelten Brexit-Vertrag stimmen werden. Tusks launige Antwort (unter Anspielung auf eine einschlägige Bemerkung, die er in dieser Causa früher bereits einmal gemacht hatte): „Unserem Papst zufolge ist die Hölle immer noch leer und das bedeutet, dass es noch viel Platz gibt.“

Damit ist Tusk nicht auf dem Informationsstand von Eugenio Scalfari, des Gründers und langjährigen Leiters der italienischen Zeitung La Repubblica. Der 94-jährige Atheist Scalfari hat in den letzten Jahren mehrfach Vier-Augen-Gespräche mit seinem Freund Franziskus geführt und darüber in der Zeitung jeweils eine Art Gesprächsprotokoll veröffentlicht, und zwar ausschließlich aus dem Gedächtnis. Nach Scalfaris Darstellung gibt es demnach laut Franziskus gar keine Hölle, sondern lediglich ein „Verschwinden der Seelen“. (Welch tröstlicher Gedanke für die chaotischen Brexiteers, die vermutlich nicht einmal an ihre eigene Seele glauben.)

Der Vatikanische Pressesaal ist zwar jedes Mal bemüht, Scalfaris Papst-Zitate zu korrigieren. Zuletzt, soweit ersichtlich, wieder in der Karwoche 2018. Das diesbezügliche vatikanische Dementi ist nachzulesen auf der Homepage von Vatican News unter der Überschrift „Wieder ein sogenanntes Papstinterview, und wieder falsche Zitate“. Ob aber auch Franziskus selbst jemals ausdrücklich dementiert hat, was ihm Eugenio Scalfari angeblich „andichtet“, ist nicht bekannt.

Dr. Johann Hahn, A-4320 Perg

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