Konfessionsverschiedene Ehen in Polen: Vorreiterrolle in Europa?: Eng an das bereits Übliche angelehnt

Die Tagespost berichtet (DT 27. Oktober, Seite 6), in Polen habe man sich endlich über neue Regeln bei der Glaubenserziehung von Kindern in konfessionsverschiedenen Ehen verständigt. Mit der Einigung, die noch vom Papst zu genehmigen sei, nehme Polen eine Vorreiterrolle in Europa ein; denn bisher habe es nur eine weitere Genehmigung Roms für eine entsprechende Regelung in Italien gegeben.

Hier dürfte die polnische katholische Nachrichtenagentur KAI nicht auf dem Laufenden sein. Im Nachgang zum Zweiten Vatikanum, welches anerkannte, dass in konfessionsverschiedenen Ehen jedem christlichen Ehepartner im Gewissen die Pflicht und das Recht zur Glaubenserziehung der Kinder zukomme, hatte die Deutsche Bischofskonferenz ihr Ehevorbereitungsprotokoll mit Überprüfung und Zustimmung Roms (nach can. 455 § 2 CIC) überarbeitet und für Mischehen festgelegt, dass ein katholischer Christ in jedem Falle seine Bereitschaft erklären müsse, als Christ zu leben und seinen katholischen Glauben zu bezeugen, und auch versprechen müsse, sich um die Einhaltung seiner Pflicht, die Kinder in der katholischen Kirche taufen zu lassen und im katholischen Glauben zu erziehen, „nach Kräften zu bemühen, dieses sittliche Gebot zu erfüllen, soweit das in seiner Ehe möglich ist“.

Der nichtkatholische Partner ist über Verpflichtung und Versprechen des katholischen Partners zu unterrichten. Die Formulierungen zeigen, dass man sich bei der nun in Polen gefundenen Einigung ziemlich eng an das anlehnt, was in Deutschland und anderen Ländern Europas längst üblich ist. Einen ganz neuen Schritt in der Ökumene mag die Einigung also für Polen darstellen, nicht aber für Europa insgesamt. Von einer Vorreiterrolle kann keine Rede sein.

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