Kirchenaustritt und Transparenz: Thema der Mitgliedschaft ureigene Sache der Kirche

Ich lese in der Meldung „Namen Ausgetretener veröffentlicht“ (DT vom 28. Januar) von einem Priester in Österreich, der seiner Gemeinde die Namen derer mitgeteilt hat, die im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten sind. Er ist deshalb von Staat und Kirche getadelt worden, und offenbar herrscht Einvernehmen darüber, dass sein Handeln unzulässig war und sich nicht wiederholen darf.

Ich frage: Wieso eigentlich?

Zunächst einmal: Was geht den Staat diese Frage überhaupt an? Gehört das Thema Mitgliedschaft nicht zu den ureigenen Angelegenheiten der Kirche, die sie selbst zu regeln hat?

Und die Kirche? Ist sie ein Geheimbund, in dem nur Auserwählte genau wissen dürfen, wer Mitglied ist und wer nicht? Haben die Gemeindemitglieder kein Recht zu erfahren, wer zu ihnen gehört und wer nicht? Ein modernes Verständnis der Kirche als Volk Gottes, in dem alle Verantwortung tragen, setzt doch wohl dieses Recht voraus.

Es ist erstaunlich, dass offenbar manche, die lauthals mehr Demokratie in der Kirche fordern, mit der Verweigerung dieses Rechtes einverstanden sind und nichts dazu sagen.

Lässt sich dieses Verbot eigentlich praktisch durchhalten? Zu den Pfarrgemeinderatswahlen müssen die Wählerlisten einsehbar sein – da kann man also sehen, wer ausgetreten ist. Es soll zuweilen sogar vorkommen, dass ein aus der Kirche Ausgetretener zur Wahl in den Kirchenvorstand vorgeschlagen wird. Darf der Pfarrer auch dann nicht offenbaren, dass die betreffende Person nicht wählbar ist, weil sie gar nicht dazugehört?

Und was passiert, wenn der Ausgetretene stirbt und die Angehörigen ein kirchliches Begräbnis haben wollen, weil er ja in der Öffentlichkeit immer noch als Mitglied der Kirche gilt?

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