Karl Josef Laumann (CDA) und die katholische Soziallehre: In wichtigen Fragen nicht standfest gewesen

Herr Franz-Günter Giesen irrt, wenn er in seinem Leserbrief „Standfester Vertreter der katholischen Soziallehre“ meint, dass Karl Josef Laumann als Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) „fest und klar“ die katholische Soziallehre vertrete (DT vom 18. Juni). Im wichtigsten Politikfeld, der Familienpolitik, scheinen ihn weder Verfassung noch katholische Soziallehre zu interessieren, sondern läuft er widerspruchslos hinter dem familienpolitischen Zeitgeist der CDU her. Oder hat Herr Giesen Laumanns Protest vernommen, als der seinerzeitige eindeutige Beschluss der CDU über ein Familiengeld von 600 Euro in aller Heimlichkeit in der Versenkung verschwand? Oder gegen die nahtlose Übernahme der rot-grünen Familienpolitik durch Frau Ursula von der Leyen und die Union? Oder gegen den verschleiernden Beschluss des CDA-Bundesvorstandes von 2010, „eher in die Stärkung der Infrastruktur als in pekuniäre Leistungen für die Eltern zu setzen“? Und das, obwohl die Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen, ohnehin schon entgegen Verfassung und katholischer Soziallehre massiv gegenüber Aufwendungen für öffentliche Betreuungseinrichtungen benachteiligt sind! Und wo bleibt der in der katholischen Soziallehre unabdingbare Grundsatz der Subsidiarität?

Da ich diese Entwicklung über einen längeren Zeitraum genau beobachtet habe und nach den Antworten auf zwei ausführliche persönliche Briefe an Karl-Josef Laumann nicht die geringste Hoffnung haben konnte, dass er sich künftig in diesem Bereich im Sinne der katholischen Soziallehre einsetzen würde, blieb mir nichts anderes übrig, als nach über 50 Jahren die CDA zu verlassen.

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