Judentum, Christentum und Islam zur Landverheißung Israels: Rabbi, Papst und Allah

In seinem Interview hält es Rabbi Eugene Korn aus Jerusalem für einen „taktischen Irrtum von Papst Franziskus“, dass der Vatikan in einem Grundlagenvertrag mit den Palästinensern vom „Staat Palästina“ spreche. Der jüdische Theologe weist darauf hin, dass der Bund Gottes mit Israel „mit der Landverheißung auf das Engste verbunden“ sei. Dieser theologischen Bedeutung müsse sich die katholische Kirche stellen, so sehr „das für die Kirche politisch schwierig ist“. Der Zionismus und die Rückkehr der Juden sei eben „nicht nur ein politisches, sondern ein religiöses Phänomen“. Papst Franziskus hätte den Grundlagenvertrag besser nicht unterschrieben, da er sich auf die theologisch fragwürdige und zeitbedingte These von Papst Pius X. beziehe. Dieser hatte 1904 zu Theodor Hertzel gesagt, dass die Juden das Recht auf das Land verloren hätten, weil sie Jesus nicht angenommen hätten.

Beim Lesen des Interviews schoss mir der Koran durch den Kopf, welcher in Sure 5,20f die Offenbarung überliefert, dass Allah den Juden das Gelobte Land gegeben hat. In Sure 17,104 ergänzt Allah das Wohnrecht der Juden in Israel bis ans Ende aller Tage. Der frühere Dozent an der Al-Azar-Uni in Kairo und zum Christentum konvertierte M.A. Gabriel belegt in seinem Buch (Israel in Gefahr, Seite 197ff) mit Dokumenten islamischer Theologen und Historiker die islamtheologische Gewissheit, dass das Heilige Land den Juden gehört und nicht den Muslimen. Freilich passt dies nicht in den Zeitgeist. Doch stellt sich mir die Frage, wieso Muslime gerade in einem entscheidenden Punkt die Anordnungen Allahs übergehen. Bin ich vielleicht ein Spinner, wenn ich davon träume, dass die Theologen der Hamas und der Hisbollah einmal hinter verschlossenen Türen darüber diskutieren, ob hier Menschenwort in den Koran geraten ist oder eine Offenbarung ihres Gottes Allah. Hat Rabbi Eugene Korn denselben Traum wie ich?

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Abonnements

Kirche