Ist Sozialismus grundsätzlich unchristlich? – Zur Kritik an der Linkspartei: Der Kapitalismus führt in den Abgrund

zu Ihren Kommentaren (insbesondere die Ausgaben vom 11. und 13. August) sowie zu einzelnen Leserbriefen über die Partei „Die Linke“ (Leserbriefe, DT vom 18. und 20. August): Sowohl in unseren Medien als auch in der katholischen Kirche ist es weitgehend Mode geworden, den Sozialismus zu verteufeln. Allerdings ist eine bestimmte Art von Sozialismus nicht von vornherein unchristlich, meine ich. Immerhin heißt es in der Apostelgeschichte von den ersten Christen, dass sie „alles gemeinsam“ hatten und alles miteinander teilten. Und auch in den Ordensgemeinschaften, welche ja sozusagen die Avantgarde der katholischen Kirche darstellen, herrscht eine Art von Sozialismus. Natürlich kann man dies nicht mit einem Sozialismus a la DDR oder Fidel Castro vergleichen, wo es in erster Linie nur um eine Einparteien-Diktatur geht beziehungsweise gegangen ist.

Aber ich frage mich, wo uns das derzeit bei uns und in der ganzen westlichen Welt, mittlerweile auch weltweit, herrschende marktwirtschaftliche beziehungsweise kapitalistische System hinführen wird. Ist es nicht so, dass alles auf einen großen Crash, Kollaps zusteuert? Mal ganz abgesehen vom kaum noch zu vermeidenden ökologischen Ruin der Ökosysteme und der Erde. Die finanziellen, ökonomischen und sozialen Systeme laufen aus dem Ruder. Wobei kleinere Korrekturen oder Reformen da im Grunde nicht weiterhelfen. Eine grundlegende Reform wäre nötig. Aber dazu fehlt vermutlich der politische Wille und die politische Einsicht. Außerdem ist es auch eine Schwäche der Demokratie, dass ein Konsens diesbezüglich nur schwer herzustellen ist, wie man jetzt wieder in den USA beim Gerangel zwischen Präsident und Senat um die ausufernde Staatsverschuldung gesehen hat.

Beim gerade zu Ende gegangenen Weltjugendtag in Madrid meinte der Erzbischof von Barcelona in einem Interview, dass es derzeit nicht nur um eine globale Finanzkrise und eine ökonomische Krise geht, sondern vor allem auch um eine „Wertekrise“. Wenn die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme in erster Linie auf dem skrupellosen Egoismus jedes Einzelnen, einzelner Gruppen, Firmen oder auch Staaten beruhen, dass kann dies auf die Dauer nicht gutgehen, meinte der Erzbischof. Eine echte „Heilung“ sei nur dann zu erwarten, wenn man sich wieder auf die grundlegenden Werte des Christentums beziehungsweise des Evangeliums besinne, wo es prinzipiell nicht darum geht, immer mehr haben zu wollen, sondern wo die Liebe zum Nächsten und zu Gott im Vordergrund steht.

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