Interview mit Hubertus Knabe „Der Linken fehlt es an Unrechtsbewusstsein“: Nicht vergessen, wie die DDR war

Der Historiker Hubertus Knabe fordert in seinem Interview („Der Linken fehlt es an Unrechtsbewusstsein“, DT vom 7. Juni) zu Recht eine bessere Aufklärung über die menschenverachtende Diktatur der DDR, welche nach dem Motto handelte: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“

Folgendes soll dieses Zitat beweisen: Als ich eine zeitlang mit der Familie in der DDR lebte, wo die Kinder auch die Schule besuchten, wurde ich eines Tages zum Klassenlehrer des ältesten Sohnes bestellt, welcher mir eröffnete, wenn mein Sohn nicht an der sogenannten Jugendweihe teilnehmen würde (und er sollte das nicht, da diese Zeremonie ein Bekenntnis zum Kommunismus darstellte), würde er nicht zum Abitur zugelassen. Ich wurde also gezwungen, meine Einwilligung zu der Jugendweihe zu geben.

Beim jüngsten Sohn wurde ich ebenfalls in die Schule zitiert, wo es Klagen über das politische Verhalten des Burschen gab und der Lehrer wörtlich sagte: „Alles, was wir in jahrelanger Arbeit an politischem Bewusstsein bei unseren Schülern aufbauen, das reißt Ihr Sohn mit seinen Diskussionen in fünf Minuten wieder ein!“ Eine Weile später kam die schriftliche Mitteilung, dass er versetzungsgefährdet sei. Doch gab es keine Hinweis auf irgendein Fach (er stand ja auch nicht schlecht in den Fächern, im Gegenteil!), sondern da konnte man Schwarz auf Weiß lesen: „Grund der Versetzungsgefährdung: Ablehnung des marxistisch-leninistischen Gesellschaftssystems bei völliger Bejahung des imperialistischen Klassensystems der BRD.“

Klarer kann nicht dokumentiert werden, dass die DDR eine Schreckensherrschaft ohnegleichen war.

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