Homosexuelle Partnerschaften mit der Ehe gleichstellen?: „Legitime, längst überfällige Forderung“

Mit Bedauern verfolge ich seit Wochen Ihre Berichte und Leserbriefe zum Thema der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften. Betont wird einerseits, dass die Zahl der Homosexuellen, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben beziehungsweise eine Ehe anstreben, marginal sei, entworfen wird auf der anderen Seite das Horrorszenario des „Niedergangs der Menschheit“. Zur Versachlichung der Debatte sollte zur Kenntnis genommen werden, dass auch Homosexuelle aus ganz „normalen“ Ehen kommen und die Ehen ihrer Eltern schätzen. Homosexualität kann nicht anerzogen werden und Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, haben sich diese Neigung nicht ausgesucht und verfolgen auch keinen missionarischen Eifer, andere zu dieser Lebensweise zu bekehren, da dieses Leben nach wie vor in der Gesellschaft nicht einfach ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die wertkonservativen Kreise geradezu ein Feindbild der Homosexuellen zeichnen, deren einziges Interesse darin bestehe, die Gesellschaft zu zersetzen und zu zerstören. Homosexuelle gehen jeden Tag zur Arbeit, kümmern sich um ihre Angehörigen und Freunde und leisten ihren Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft wie alle anderen. Das Lautwerden der Einforderung gleicher staatlicher Rechte ist daher völlig legitim und längst überfällig.

Zum innerkirchlichen Umgang mit dem Thema Homosexualität sei auf den erhellenden Aufsatz des Religionspädagogen Stefan Scholz: Ist Homosexualität unbiblisch? im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hingewiesen.

Ist es fortlaufend nötig, eine Gruppe Menschen zu verunglimpfen, um sich der eigenen moralischen Überlegenheit zu vergewissern? Kennen die Autoren der Beiträge und Leserbriefe Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben und deren Partnerschaft sich wohl kaum in einer bloßen „sexuellen Variante zu zweit“ erschöpft? Oder nähren sich deren Einschätzungen aus Vorurteilen und Zerrbildern? Im KKK steht, man solle Homosexuellen mit „Achtung, Mitgefühl und Takt“ begegnen (2358). Oftmals lassen die Beiträge dies vermissen. Homosexuelle gibt es auch in der Kirche – trotz vieler Frustration.

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