Herberge für Engel

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“, schreibt der heilige Paulus an die Hebräer vermutlich mit Hinweis auf das Buch Tobit.

Gastfreundschaft ist eine Tugend, die in der Bibel hoch gehalten wird. Doch wie sieht es mit der christlichen Gastfreundschaft im 21. Jahrhundert aus? Sind wir gastfreundlich untereinander ohne zu murren (vgl. 1. Pet. 4,9)? Würden wir drei wildfremde Männer einfach so in unserem Haus beherbergen und ihnen dazu auch noch entgegen eilen (Gen 18, 2-8)? Diese wirklich gelebte Gastfreundschaft gibt es nach wie vor! Diesen Sommer durfte ich sie selbst erleben. Anlässlich zum 100-jährigen Fatimajubiläum befanden wir uns mit einer Gruppe von jungen Erwachsenen auf einer Rundreise durch Portugal. Da die Hotels und Gasthäuser relativ teuer sind, beschlossen wir einfach jeden Abend in Pfarreien oder Klöster anzufragen, ob sie uns beherbergen könnten. So auf andere Menschen angewiesen zu sein, war anfangs für uns alle doch recht komisch. Aber wir ließen uns auf dieses Abenteuer ein. Unter anderem klopften wir an der deutschen Pfarrei in Lissabon an. Ohne zu murren und sogar mit größter Freundlichkeit wurden wir sofort aufgenommen. Wir bekamen ein ganzes Stockwerk, mit Dusche und Küche zur Verfügung gestellt. Zum Frühstück gesellte der Pfarrer sich zu uns. Zusätzlich wurde uns ein Fahrservice zum Flughafen angeboten und das morgens früh um 5 Uhr. Dankend nahmen wir an.

An einem anderen Tag gingen wir nach der Dorfmesse in die Sakristei. Nach einer halben Stunde Warten, dachten wir, dass der Pfarrer wohl andere wichtige Sachen zu erledigen hat. Doch als er mit seinen Gesprächen fertig war, stellte er uns sehr gastfreundlich die komplette Wohnung seiner verreisten Mutter zur Verfügung inklusive seinem üppig gefülltem Kühlschrank und einem leckeren Portwein.

Das waren nur zwei kleine Beispiele – doch die Offenheit und Herzlichkeit, mit der wir immer wieder aufgenommen wurden, hat uns sehr beeindruckt! Es ist schön, Christ zu sein und diese Gemeinschaft in der Gastfreundschaft erleben zu können, erfüllt einen mit tiefer Dankbarkeit. Viel zu oft vergessen wir, dass wir alle Brüder und Schwestern in Christus sind!

Die Autorin, 23, studiert Psychologie in Regensburg und engagiert sich für die KPE

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