Hans Zehetmair beklagt Sprachverfall durch elektronische Medien : Nur noch Abkürzungen und Teilsätze: Mehr Wert auf das gesprochene Wort legen

Der ehemalige Kultusminister Hans Zehetmair beklagt zu Recht, dass das, was früher einmal als Muttersprache bezeichnet wurde, heute oft nur noch bruchstückhaft über die elektronischen Medien ausgetauscht wird.

So stellt er fest, dass die Sprachkompetenz vor allem bei jüngeren Leuten stark nachlässt, da sie sich fast ausschließlich über kabellose Übermittlungsträger austauschen. Abkürzungen und Teilsätze ohne Substantive sind meistens die Regel. Kritiklos übernommene Anglizismen, die Modernität suggerieren sollen, tun ein Übriges. So haftet den Ausdrucksformen eine Unschärfe an, die insbesondere dem Bildungsstandort Deutschland schadet, denn wissenschaftliche Arbeit wird durch unpräzisen und mehrdeutigen Sprachgebrauch zumindest sehr erschwert.

Das einzig offensichtlich Erfreuliche ist, dass Herr Zehetmair nun endlich diese Erkenntnisse gewonnen hat und sie auch öffentlich ausspricht, nachdem er selbst als Kultusminister und als Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung eher zweifelhafte und wenig zielführende Rechtschreibreformen mit auf den Weg brachte. Dass sich diese Lockerung vom sprachlichen Regelwerk einmal in solcher Art in Richtung Chaos entwickeln würde, hätte er wohl damals selbst nicht für möglich gehalten.

Das ständige smsen und mailen verändert unsere Sprache, leider zum Schlechteren. Da werden kaum noch vernünftige Sätze, sondern nur noch Informationsbruchstücke ausgetauscht. Das ist hilfreich, hat aber sprachliche Nebenwirkungen. Darum wäre es gut, zumindest auf das gesprochene Wort mehr Wert zu legen. Hier sind Eltern, Kindergärten und Schulen gefordert.

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