Geschichtsstreit über Massaker: Zum Gedenktag des Völkermordes an den Armeniern : Solidarität mit den Mitchristen beweisen

Vielen Dank an die Redaktion und an Herrn Professor Grulich für die differenzierten und sehr informativen Artikel zum Völkermord an den Armeniern (DT vom 14. April).

Jede Ausgabe der „Tagespost“ ist für mich ein Gewinn, doch für diese Dienstags-Ausgabe möchte ich Ihnen besonders danken. Es ist beeindruckend, dass Sie nicht nur die Ansprachen des Papstes vom Sonntag und Montag dokumentierten und Guido Horst den Leitartikel schrieb, sondern dass Sie auch von Rudolf Grulich die Fakten des Völkermordes aufzeigen ließen. Dass Grulich auch auf den sonst kaum bekannten Istanbuler Kriegsverbrecherprozess von 1919 einging, halte ich für besonders wichtig, denn so könnte eine Brücke geschlagen werden, um die Verhärtung der türkischen Seite aufzubrechen.

Das mutige Wort von Papst Franziskus könnte Beispiel gebend für manche Staatsoberhäupter sein, die es immer noch unterlassen, das Verbrechen beim Namen zu nennen. Ebenso sollten Sie auch christliche Reiseunternehmer motivieren, selber etwas aktiv zur Aufarbeitung dieser Tragödie und für das Verständnis für die noch heute in der der Türkei lebenden Christen zu tun. So muss man die Orte besuchen, an denen noch heute armenische Kirchen existieren und dort Gottesdienste feiern wie in Iskenderun und Vakifli, dem einzigen armenischen Dorf in der Türkei.

Dasselbe gilt für die anderen christlichen Gemeinden, wie die der Chaldäer in Diyarbakir oder der syrisch-orthodoxen Christen im Turabdin, ganz zu schweigen von den katholischen Gemeinden, auf die Grulich vor allem in seinem Buch „Konstantinopel. Ein Reiseführer für Christen“ hingewiesen hat. Besuche dieser Gemeinden und Kirchen durch christliche Reisegruppen zeigen unsere Solidarität mit den Christen vor Ort.

Ich habe bei den Reisen mit Professor Grulich in der Türkei nie das Gefühl gehabt, etwas nicht Geduldetes zu tun. Nicht nur die Christen, sondern auch die muslimischen Nachbarn drückten ihre Freude über die Besuche aus. Zeigen wir also bei unseren Reisen in die Türkei und anderen islamischen Ländern den Mut zur Solidarität mit unseren Mitchristen und dass wir das Schicksal der Armenier, auch der Assyrer, Chaldäer und anderer Christen nicht vergessen, die 1915 auch gelitten haben.

Jeder kleine Schritt dazu, dass wir unsere christlichen Schwestern und Brüder in diesen Ländern in den Blick nehmen, kann auch uns helfen, sich an die Wurzeln des Christseins zu erinnern, gerade in der Türkei, die der nun heilige Papst Johannes Paul II. die Wiege der Kirche genannt hat. Angesichts des Wütens des „Islamischen Staates“ gegen die Jesiden und alle anderen nichtsunnitischen Gruppen wünschte ich mir auch Beiträge zu deren Lage.

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