Gemeinsamer Erfolg

Gemeinsamer Erfolg

Schon von Kindesbeinen an wird dem Nachwuchs die Ausrichtung auf Wettbewerb und Erfolg mitgegeben. Weil sich früh bekanntlich übt, beginnt Bildung heute nicht erst in der Schule, sondern hat Einzug in die Kindergärten gehalten, die sich zu einer Art Vorschule entwickelt haben. Die ersten Jahre eines Menschen, in denen sein Handeln nicht auf einen Zweck ausgerichtet ist, werden immer mehr verkürzt. Das ganze spätere Leben scheint bereits von den ersten Weichenstellungen abzuhängen. Gesellschaftliche Mechanismen greifen hier immer weiter vor: In vielen Bereichen geht es vornehmlich darum, als Gewinner aus dem Wettbewerb mit anderen hervorzugehen. Schulische Leistungen ermöglichen sodann eine erste Standortbestimmung und geben einen oberflächlichen Hinweis auf persönliche Leistungsfähigkeit. Schnell lernt man, dass es lobenswert ist, wenn man aus unterschiedlichsten Situationen als Gewinner hervorgeht, seine Vorteile erkennt, ausbaut und zum persönlichen Erfolg nutzen kann. Harte Indikatoren für Erfolg sind später hauptsächlich Geld und Einfluss, die beide miteinander verwoben sind. Kann eine Gesellschaft mit einer solchen Prägung dauerhaft überleben?

Eine Folge einer solchen Einstellung ist die starke Überbetonung des Individuums. Der einzelne Mensch, der nach Erfolg und nach seinem Vorteil strebt, kann dies meist nicht umsetzen, wenn dadurch nicht andere benachteiligt werden. Erfolg eines Einzelnen hängt stets mit dem Misserfolg anderer zusammen. Jeder Sieger braucht eben auch den Verlierer. Zu Sieg und Niederlage führen stets unterschiedliche Faktoren, die im Einzelnen nicht immer zu ergründen sind. Fakt ist, dass es in allen Bereichen Sieger und Verlierer gibt. Und einen Wettbewerb braucht es auch. Nicht ohne Grund hat der Kapitalismus für viele Menschen Wohlstand gebracht, mehr als jedes andere System. Zum Problem wird dieses System dann, wenn der erreichte Erfolg nur beim Individuum verbleibt, sich dort konzentriert und den anderen als Benachteiligten stehen lässt. Notwendig wäre es, persönlichen Erfolg in angemessener Größe der Gemeinschaft rückzuführen. Im Gleichnis vom armen Lazarus wird der Reiche nicht aufgrund seines Reichtums getadelt, sondern weil er ihn für sich behält und nichts davon abgibt. Lazarus sitzt offensichtlich vor der Tür des Reichen und doch wird er übergangen. Unser Gerechtigkeitsempfinden wird dabei heftig berührt.

Wundert es dann, wenn Gesellschaften auseinanderdriften und das Erreichte für alle verloren gehen droht? Weil uns falsche Ideale von Erfolg und Macht den Blick auf den anderen verstellen, verhärten sich ungerechte Zustände. Das Sprüchebuch, eine alttestamentliche Sammlung von Weisheiten, weiß um den Wert weltlicher Dinge und nennt sie in einem Atemzug mit der Gerechtigkeit: „Der Gottlose schafft sich trügerischen Gewinn, wer aber Gerechtigkeit sät, dauerhaften Lohn.“ (Spr 12,18) Die Gerechtigkeit sollte das Ziel allen Schaffens sein.

Der Autor, 28, studiert Katholische Theologie in Regensburg

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