Geht es den Besuchern der „alten Messe“ in erster Linie um „Phasen der Stille“?: Aspekte, die klarer zum Ausdruck kommen

Bekanntlich gehöre ich zu denen, die ausschließlich die heilige Messe im alten Ritus besuchen und diese Bevorzugung in Wort und Schrift verteidigen. Daher kann ich die Erfahrungen des ansonsten von mir hoch geschätzten Kardinals Meisner (DT vom 30. Juli) in keiner Weise bestätigen. Den Teilnehmern an dieser sogenannten „außerordentlichen Form des römischen Ritus“ geht es in erster Linie nicht um die „Phasen der Stille, die Getragenheit der Feier, die andächtige Atmosphäre“, sondern ganz einfach darum, dass in ihr der Opfercharakter der heiligen Messe und die Tatsache, dass sie die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers ist, viel deutlicher und klarer zum Ausdruck kommt als in der neuen Form!

Das zeigt sich schon daran, dass in ihr an die Stelle des alten Offertoriums die sogenannten Gabenbereitung mit einem jüdischen Tischsegen getreten ist, dass das herrliche „Suscipe, Sancta Trinitas“ ganz weggefallen ist und dass es den Zelebranten freigestellt ist, statt des ersten Kanons einen anderen zu nehmen, in dem der Opfergedanke ebenfalls nur noch in verkümmerter Form enthalten ist.

Gewiss ist es nicht falsch, dass es den Befürwortern des alten Ritus auch um die „andächtige Atmosphäre“ geht. Denn es ist doch kein Zufall, dass Fastnachts- und Disco-Messen und all die willkürlichen, teilweise entsetzlich albernen Einlagen und Gags, die wir so häufig in der neuen Messe finden und gegen welche die Bischöfe offenbar vergeblich kämpfen, im alten Ritus unmöglich sind. Aber vor allem – und das ist der entscheidende Punkt, auf den es den Befürwortern der „alten Messe“ ankommt – ist es doch ohne weiteres ersichtlich, dass der latreutisch theozentrische, ganz auf die Anbetung Gottes im heiligen Opfer gerichtete Charakter in ihr ungleich deutlicher ausgeprägt ist als in der neuen „Eucharistiefeier“, die von ihrer ganzen Anlage her als eher zwanglos religiöse Gemeinschaftsfeier zusammen mit Jesus konzipiert ist.

Dieser Anbetungscharakter zeigt sich schon in der ausführlichen und demütigen Vorbereitung im Staffelgebet, das ganz weggefallen ist, an der Tatsache, dass der Priester und mit ihm die ganze Gemeinde zu Gott hin gewandt beten, an der feierlichen sakralen lateinischen Sprache, die indessen jeder Gläubige mit Hilfe des Schott mit verstehen kann, an der Mundkommunion, die zum Zeichen der Anbetung und Ehrfurcht kniend im Empfang genommen wird und so weiter.

Es ist richtig, dass das Zweite Vatikanum diese Dinge nicht abgeschafft hat oder abschaffen wollte. Sie sind aber de facto in der heutigen „Eucharistiefeier“ verschwunden. Und was die so viel beschworene Einheit betrifft, so würde ich sagen, dass die Spaltung leider schon lange vorhanden ist. Nicht nur, dass der neuen Messe eben doch eine andere Theologie zugrunde liegt, wie dies schon seinerzeit Kardinal Benelli im Gespräch mit Dr. Eric de Saventhem, dem langjährigen Präsidenten der Una Voce-Föderation bemerkte. Es fragt sich vielmehr leider auch, ob die Gläubigen, welche die „normale Sonntagsmesse“ im neuen Ritus besuchen, denselben Glauben an die Realpräsenz haben wie die Teilnehmer am alten Ritus. Denn wie sollte dies möglich sein, wenn man beobachtet, dass in der Regel alle, aber auch wirklich alle Gottesdienstbesucher im neuen Ritus die Kommunion empfangen: so als gehöre das einfach dazu und sei eine Selbstverständlichkeit? Während kaum noch jemand zur Beichte geht, sodass diese schon als das „verlorene Sakrament“ bezeichnet werden kann? Wie sollte das ferner möglich sein, wenn den Kindern bei der Erstkommunionvorbereitung oft nur noch vom „heiligen Brot“ gesprochen wird, das sie dann empfangen werden?

Leider muss auch festgestellt werden, dass es nicht die Teilnehmer am alten Ritus sind, die den Trennungsstrich ziehen. Denn es ist doch kein Zufall, dass die neue Messe fast überall seit der Einführung des Neuen Motu proprio nur noch als „Eucharistiefeier“ angezeigt wird, während man kurz vorher noch beide Bezeichnungen „Messe“ und „Eucharistiefeier“ in den Gottesdienstanzeigern finden konnte.

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