Essay über „Ortlose Kultur“ : Menetekel für den Verlust christlicher Heimat

In seinem aufschlussreichen Essay „Ortlose Kultur“ („Die Tagespost“ vom 13. November) wirft Björn Hayer die Frage auf, was denn mit den Orten der Kultur im kommerziellen Zeitalter passiere. In einer brutalen Direktheit wird die Frage beantwortet, wenn man dieser Tage den Blick auf das sterbende Dorf Borschemich im Rheinischen Braunkohlerevier richtet. Dort wird am Christkönigssonntag die Kirche der ehemaligen Pfarrei St. Martinus profaniert. Dann wird das altehrwürdige Gotteshaus dem Abriss preisgegeben sein. Das Gemeinwohl verlangt es. Wer einmal die entsetzlichen Dokumente der Zerstörung der einst prächtigen Kirchen von Königshoven, Otzenrath oder Morken-Harff, drei Namen, die nur stellvertretend für Dutzend weitere in Vergangenheit und Zukunft stehen, betrachtet hat, der begreift, was das christliche Kulturerbe uns wirklich wert ist. Hier ist die „förmliche Abschaffung der materiellen Lokalität“, wie sie Hayer diagnostiziert, ihre Devastation zu einem „Nicht-Ort (…) arm, wüstenartig, ohne Vision und Liebe“ schon in unüberbietbarer Weise wahr und konkret geworden.

Vielleicht ist die bevorstehende Entwidmung der St. Martinus-Kirche in Borschemich für „Die Tagespost“-Redaktion Anlass, dem einem Menetekel gleichenden Verlust christlicher Heimat, der unwiderruflichen Vernichtung über Jahrhunderte gewachsener christlich geprägter Lebensgefüge inmitten unseres Landes neue Aufmerksamkeit zu schenken.

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