Eklat um Neubesetzung des Münchner Gesundheitsreferates: Abtreibungsgegner diffamiert : Ist unsere Gesellschaft noch zu retten?: Eine Personalie, die alle blamiert?: In der Tat ein Skandal : Die Entwicklung ist handgreiflich

Entsetzt legte ich letzte Woche die „Tagespost“ aus der Hand und fragte mich – wie mittlerweile immer öfter – ob unsere Gesellschaft noch zu retten ist. Der CSU-Wunschkandidat für den Posten des Münchener Umwelt- und Gesundheitsreferenten wurde aufgrund seiner Mitgliedschaft in der ALfA (Aktion Lebensrecht für Alle) zum Rückzug gedrängt (DT vom 31. Januar).

Seit Jahrzehnten bin ich Mitglied in dieser Organisation und kenne deren Gründerin, Hedwig Seelentag aus Augsburg, persönlich. Für ihre Arbeit wurde sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1974 wurde die ALfA gegründet und hat seitdem unendlich vielen Ungeborenen, Behinderten und durch ärztliche Sterbehilfe Bedrohten geholfen, was durch Tausende von Dankschreiben bestätigt wird.

Die Mitgliedschaft in dieser religiös und politisch unabhängigen Gemeinschaft vereitelte die Eignung Herrn Hollemanns für das für ihn vorgesehene hohe Amt. Wie ist dieses Verhalten in einem demokratischen und freiheitlichen Land zu erklären? Für die Freiheit von blasphemischen Karikaturen marschieren Tausende durch die Straßen, und einem engagierten Politiker, der sich für das Leben einsetzt, wird seine ihm demokratisch zugesicherte Freiheit verübelt.

Zur Berichterstattung der „Tagespost“ über die (DT vom 31. Januar): „Wer einem Verein radikaler Abtreibungsgegner angehört, kann nicht Münchner Gesundheitsreferent werden“, begründet die „Süddeutsche Zeitung“ den Rückzug des designierten Kandidaten, des ÖDP-Politikers Markus Hollemann. Gemeint ist die „Aktion Lebensrecht für Alle e.V.“, kurz ALfA, der Hollemann seit vielen Jahren angehört. Kritik ausgesetzt sei dieser Verein auch in den Kirchen, erkennbar daran, dass das evangelische Domkollegium dem von der ALfA mitorganisierten „Marsch für das Leben“ 2013 den Abschlussgottesdienst im Berliner Dom verweigerte, schreibt Herr Wetzel in der SZ.

Unerwähnt bleibt, dass der Berliner Dom die einzige Kirche der Landeshauptstadt ist, in der die inzwischen 6 000 Teilnehmer an diesem Marsch überhaupt noch alle Platz gefunden hätten. Von „christlich-fundamentalen Schreihälsen“ ist in der SZ die Rede, ungeachtet der Tatsache, dass es sich um einen Schweigemarsch handelt. Hätten die SZ-Redakteure genauer recherchiert, wären sie darauf gestoßen, dass dieser Marsch alljährlich vor Schreihälsen der Gegenseite mit Parolen wie „Mein Bauch gehört mir!“ und „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“, von der Polizei abgeschirmt werden muss, weil diese Schreihälse Andersdenkende nicht nur mit gefüllten Kondomen bewerfen.

Was die Teilnehmer an diesem Marsch verbindet, ist das wachsende Unbehagen mit einem stillschweigenden gesellschaftlichen „Konsens“, die fast zweieinhalb Millionen Abtreibungen der letzten 20 Jahre allein in unserem Land (nach offiziellen Zahlen) seien doch „Privatsache“. Wenn Menschen, denen dies Unbehagen bereitet, „Radikale“ sind, wie nennt die Süddeutsche Zeitung dann die anderen?

Die Tatsache, dass jemand, der sich aktiv für verfolgte Christen und für den Lebensschutz Ungeborener einsetzt, in München nicht Gesundheitsreferent werden kann, ist in der Tat ein Skandal. Für linke Ideologen wie auch für Presseorgane wie die SZ sind Menschen, die sich für verfolgte Christen oder den Lebensschutz einsetzen – im Gegensatz zu vehementen Vertretern eines „Rechts auf Abtreibung“ – „radikal“, was nur bedeutet, dass sie nach Belieben diskriminiert werden dürfen, indem man ihnen den Zugang zu öffentlichen Ämtern verwehrt und sie mundtot macht. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie die Bischöfe – insbesondere Kardinal Marx – auf diesen Vorgang reagieren beziehungsweise reagiert haben.

Die Angst vor dem Apparat ist größer als das Gewissen. Ein Vergleich mit einem Thomas Morus zeigt die Schwundstufe. Der Lebensschützer Markus Hollemann wurde aufgrund seines Einsatzes für das ungeborene menschliche Leben vom CSU-Bürgermeister Josef Schmid zum Rücktritt gezwungen, weil feindliche Mächte wach wurden und für die eigene Karriere bedrohlich schienen.

Ich möchte an die Bemerkung von Peter Berglar erinnern (Die Stunde des Thomas Morus. Einer gegen die Macht, Adamas-Verlag, 1999, S. 9): „Die Zwänge, welche die Konformität der Äußerungen und der sichtbaren Verhaltensweisen ohne Rücksicht auf Überzeugungen und persönliche Wahrhaftigkeit herbeiführen sollen, nehmen ohne Zweifel weltweit zu, und sie sind keineswegs nur physisch-machtmäßiger Art.“ Die Entwicklung ist handgreiflich.

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