Eingeschränkte Religionsfreiheit und Not in Myanmar : Christen werden verschleppt und vertrieben

Zum Beitrag „Zwischen Hoffnung und Skepsis“ (DT vom 20. Mai): Den informativen Artikel von Klemens Ludwig habe ich mit Interesse gelesen.

Ich möchte jedoch noch ein paar Anmerkungen hinzufügen. Seit über zwölf Jahren bin ich regelmäßig in Myanmar und habe viel von dem, was Herr Ludwig beschreibt, genauso erlebt.

Nach der zweitem Begegnung von Papst Franziskus mit Aung San Suu Kyi kündigte der Vatikan an, dass Myanmar und der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen auf Botschaftsebene aufnehmen werden.

Myanmar wird damit zum Sitz eines Päpstlichen Nuntius und entsendet einen Botschafter an den Vatikan. Das wird auch zum Schutz der Christen dort dienen. Radikale Buddhisten und das Militär verfolgen nach wie vor Christen. Der Druck auf Christen in Myanmar ist auf hohem Niveau und im Vergleich zum vergangenen Jahr extrem angestiegen (siehe auch „Open Doors“). Christen werden verschleppt und vertrieben, junge Frauen in großer Zahl entführt, sogar aus Flüchtlingslagern, etwa in Myitkyina. Aber nicht nur die Kachin im Norden sind betroffen, sondern auch die Shan, die Chin und die Karen, da sie überwiegend dem christlichen Glauben angehören.

Es wird wohl kaum gelingen, den chinesischen Einfluss zurückzudrängen; im Gegenteil, er wird weiter zunehmen. Chinas unersättliche Nachfrage nach Jade, das Unheil bringende Myitsone–Staudammprojekt und deshalb die hohe Militärpräsenz in Myitkyina sind deutliche Hinweise dafür, dass der Reformprozess in Myanmar einer Gratwanderung gleicht.

In Myitkyina betreuen die Salesianer Don Boscos neben einem großen Flüchtlingslager auch ein Berufsbildungszentrum, hauptsächlich finanziert durch Spenden aus Deutschland. Es ist überaus bedrückend, die vielen arbeitslosen und hoffnungslosen Jugendlichen überall in Myanmar zu sehen, ohne Schulbildung, ohne Ausbildung, ohne Perspektive.

Sie sind eine leichte Beute für die Drogenhändler, die diese Jugendlichen zunächst mit Drogen-Geschenken abhängig macht. Schon kleine Kinder werden als Drogenkuriere missbraucht, vorher hat man sie abhängig gemacht. Da sind die vielen Waisenkinder, die aidskranken Kinder, die Bettlerkinder und sie, die Kinder und Jugendlichen, sollten doch die Zukunft einen jeden Landes sein. Aber sie stehen kaum zur Verfügung.

Nicht nur die Shan und die Kachin leben als Binnenflüchtlinge, Tausende von Karen fristen schon viel zu lange in Flüchtlingslagern ein trostloses Dasein an der Grenze von Thailand. Wann dürfen sie zurückkehren?

Aung San Suu Kyi alleine kann keine Wunder wirken und der Nachbar China wird rasant und intensiv an Einfluss gewinnen. Die Verlierer sind die Einwohner Myanmars, vor allem die Kinder, die Jugendlichen, die Landwirte und die Tagelöhner.

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