Diplomatische Beziehungen zwischen Moskau und Vatikan: Jetzt noch offene Fragen klären

Kenner vatikanischer Ostpolitik werden die Nachricht, Moskau wolle diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl 92 Jahre nach der Oktoberrevolution normalisieren (DT vom 5. Dezember), sicherlich als Sensation bewerten. Dies stellt das Ende des „kalten Krieges“ zwischen der ehemaligen Sowjetunion und dem Vatikan dar. Jetzt scheint auch der Zeitpunkt gekommen zu sein, ein bislang im Dunkel der Zeitgeschichte verborgenes, aber historisch wichtiges Ereignis endlich aufzuklären: das Attentat des 23-jährigen Türken Mehmet Ali Agca vom 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom auf Papst Johannes Paul II.

Bekanntlich gab es nach der Festnahme des Attentäters, eines Mitgliedes der Terrororganisation „Graue Wölfe“, und dem Urteil des römischen Schwurgerichts zahlreiche Spekulationen zur Person Agca und zu möglichen Auftraggebern. Wie der Urteilsbegründung zu entnehmen ist, waren die Richter davon überzeugt, es handele sich bei dem Anschlag auf den polnischen Papst um ein „internationales Komplott“. Bis heute hält sich vor allem bei Ostexperten, die auf Johannes Pauls II. ersten Besuch in seiner polnischen Heimat verweisen, das Gerücht, die Spuren zum befohlenen Mord am Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ließen sich über den bulgarisch-kommunistischen Geheimdienst zum sowjetischen KGB unter Leitung von Juri Andropow, den späteren KPdSU-Generalsekretär, zurückverfolgen.

Bislang wurde über dieses Komplott beziehungsweise die Drahtzieher der Mantel des Totschweigens ausgebreitet. Angesichts der immer größeren Freigabe von Akten aus den Archiven des Zentralkomitees der KPdSU und des KGB in Russland – also in der ehemaligen Sowjetunion und der Hauptstadt Moskau – wäre es wohl an der Zeit, die historische Wahrheit zum Schieß- und Mordbefehl auf Papst Wojtyla herauszufinden. Dies sollte auch nicht zuletzt im Blick auf die bevorstehende offizielle Seligsprechung Johannes Pauls II. erfolgen.

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