Die Union, das kleinere Übel? – Zur Diskussion um die Situation der CDU im Anschluss an die Kritik von Kardinal Meisner: Für Veränderungen kämpfen: Das „C“ im Namen bleibt Makulatur

Selbstverständlich kann jeder das kleinere Übel mit Namen CDU trotz des starken Unbehagens wählen. Die CSU in Bayern sollte in jedem Fall gewählt werden. Ich glaube nicht, dass es in Bayern im Landtag Mehrheiten für das Töten von Embryonen oder eine erweiterte Stichtagsregelung für die zusätzliche Einfuhr getöteter Embryonen gegeben hätte. Auch eine Gleichstellung der Homo-„Ehe“ mit der normalen Ehe von Mann und Frau sehe ich in Bayern nicht. Hier handelt es sich ja um Entscheidungen in Berlin.

In der Frage der Stichtagserweiterung haben die Kanzlerin Frau Merkel und ihre Ministerin Frau Schavan und eine Reihe weiterer Abgeordneter, mit persönlich großem Einsatz, für eine Entscheidung zugunsten der Wirtschaft und Forschung gekämpft. Diese Entscheidung war eine Entscheidung gegen den absoluten Lebensschutz am Anfang des Lebens. Allen Politikern, die für diese Einschränkung des Lebensschutzes gestimmt haben, verdienen deswegen zukünftig keinerlei Vertrauen mehr in Grundfragen des Lebensschutzes am Anfang und am Ende des Lebens. Ich traue diesen Politikern zukünftig alles zu, denn sie gieren nach Mehrheiten für ihren Machterhalt und folgen opportunistisch dem Zeitgeist. Sollen die Bürger so ein schlimmes Verhalten der Politiker mit ihrer Stimme bei der nächsten Bundestagswahl auch noch honorieren?

Nein, solche Politiker verdienen die rote Karte der Nichtwahl. Der Wahlmisserfolg bringt dann hoffentlich andere, wertgebundenere, lebensschützendere Politiker an die Parteispitze und an die staatliche Macht. Das ist ein „Engagement“ nicht für kurzfristigen, aber für mittel- bis langfristigen Erfolg. In der Demokratie leben wir auf einem Grundwertefundament, das sich der Staat selbst nicht geben kann. Ohne einen Rückbezug auf Gott sind Ethik und Moral wertlos! Dann gilt der Kampf „Jeder gegen Jeden.“ Dann gibt es keine persönliche Menschenwürde! Dann gilt das Recht des Stärkeren, des Mächtigen, des Reichen. Dann regiert nur noch Chaos ohne jede Ordnung.

Wenn die deutsche Politik und Justiz das individuelle Recht auf Leben und Würde eines jeden Menschen nicht mehr absolut schützt, vom Anfang bis zum Ende, zerbricht unsere Demokratie. Jeder gebildete Mensch, ob Christ oder Nichtchrist, möchte in einem Land leben, in dem das Leben und die Würde absolut unangetastet bleiben. In diesem Zusammenhang hat die Union eine unverzeihliche und unwürdige Entscheidung getroffen. Ich bin seit 1965 wahlberechtigt und habe immer gewählt und immer CDU! Ich bin auch CDU-Mitglied und werde es bleiben und weiter für eine bessere Politik in meiner Partei kämpfen.

Doch Frau Merkel und Frau Schavan und einige andere CDU-Stichtagserweiterer werde ich 2009 nicht wählen! Eine andere Partei kommt derzeit auch nicht in Frage. Da hat Herr Dr. Noske zweifelsohne recht. Der Vergleich von Kirchenbesuchern mit dem Anteil von Christen in der Union ist allerdings völlig daneben. In Deutschland gehören ca. 70 bis 75 Prozent der Bürger einer der christlichen Kirchen an. Das ist doch ein hervorragendes Potenzial. Und natürlich wählen auch Nichtchristen CDU, wenn sie gute Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik, aber auch gute Sozialpolitik macht, wenn sie das Leben schützt, wenn sie ehrlich und vertrauensvoll Politik für die Bürger macht und wenn ihre Politiker nicht so sehr Marionetten der Großwirtschaft und den Reichen sind! Lasst uns gemeinsam für eine bessere Politik der Union kämpfen. Unser schönes Land hat bessere Politiker, als zur Zeit im Bund regieren und im Parlament entscheiden, verdient. Engagieren wir uns alle konsequent für eine Veränderung zum Positiven.

Zum Leserbrief „Ohne Engagement keine Veränderung“ in der DT vom 10. Juli von Dr. Gottfried Noske: In seinem Leserbrief stellt Dr. Gottfried Noske die Frage nach der Alternative zum „kleineren Übel“ CDU. Nicht Kritik und Wahlenthaltungen seien die Lösung, sondern politisches Engagement. Leider hat das „C“ im Namen der CDU nur noch deklaratorischen Charakter, um bei Wahlen christliche Wähler an sich zu binden. Dies gelingt aber immer weniger und gerade engagierte Christen flüchten in Wahlenthaltung, um nicht mitschuldig an gegen das Lebensrecht gerichteten Gesetzen zu werden (Zustimmung zum „Embryonenexperimentiergesetz“ als aktuellstem Beispiel). Eine nur gering zeitaufwändige Internetrecherche würde auch Herrn Dr. Gottfried Noske schnell auf die Deutsche Zentrumspartei führen, die zur Zeit eine beachtliche bundesweite Unterschriftenaktion gegen die gängige Abtreibungspraxis durchführt und Abtreibung als das bezeichnet, was tatsächlich geschieht, nämlich Mord an ungeborenem Leben.

Solange die CDU/CSU auf dem politischen Parkett keinen ernstzunehmenden profilierten christlichen Mitbewerber hat, bleibt das „Hohe C“ im Parteinamen der C-Parteien nur Makulatur und dient als Feigenblatt für angebliche christliche Inhalte.

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