Die Menschen und ihre Technik: Zum Zugunglück in Bad Aibling in Bayern: Was passiert ist, musste nicht sein

Fassungslos steht man da. Menschen steigen wie jeden Tag als Eisenbahner oder Fahrgäste in ihren Zug und werden urplötzlich und ungeplant aus ihrem Leben gerissen. Angehörige, die sich auf die Rückkehr am Abend freuten, erfahren aus den Nachrichten, dass der Zug mit ihren Familienmitgliedern oder Bekannten verunglückt ist. Manche können erleichtert ihre Angehörigen wieder in Empfang nehmen oder erfahren, dass sie überlebt haben, andere erfahren nach bangen Stunden, dass die Menschen nicht mehr leben. – Aber es darf nicht bei dieser Trauer stehen blieben. Leider ist so ein Zugunglück nichts Besonderes, sondern Alltag. Zum Glück nicht bei der Bahn, die trotz dieser Katastrophen das sicherste Verkehrsmittel bleibt, sondern auf der Straße. Da sterben jeden Tag alleine in Deutschland so viele Leute, wie jetzt bei dem Zugunglück. Und auch viele andere vermeidbare Tote gibt es jeden Tag durch Hunger, Ausbeutung und Kriege. Interessieren wir uns für diese Opfer, bemühen wir uns, das uns Mögliche zu tun, solches Leid zu verringern oder werden wir nur sporadisch von solchen Katastrophen aus dem Alltag gerissen und nach wenigen Stunden der medial geförderten Betroffenheit wieder mit Scheuklappen durch Leben zu gehen?

Es stellt sich auch die Frage, ob im Zeitalter der von GPS, Navis und Mobilfunk so ein Unglück noch „nötig“ ist? Warum hat kein Warnsystem erfasst, dass auf einer eingleisigen Hauptstrecke trotz aller Sicherheitssysteme zwei Züge aufeinander zurasen? Sicherheit ist ein ständiger Prozess. Immer, wenn ich bei der Arbeit merke, das ich beinahe was falsch gemacht hätte, suche ich nach Wegen, solche Beinahefehler künftig zu vermeiden, da man irgendwann einmal es nicht bemerken wird, wenn man einen Fehler macht. In diesem Sinne muss jedes Personal geschult werden, das in sicherheitsrelevanten Berufen arbeitet. Was in Bad Aibling passiert ist, musste nicht sein. Oder hat unser Staat bei sinnlosen Prestigeprojekten wie Stuttgart 21 und bei der Überwachung der Menschen vergessen, sich um die wirkliche Sicherheit zu kümmern? Denn Bad Aibling ist ein Zentrum der Überwachung: Die Radome dort überwachen 13 Kommunikations-Satelliten für die NSA (Wikipedia). Mit einem Bruchteil der Mittel, die viele Prestigeprojekte verschlingen, könnte man alle Züge erfassen und dafür sorgen, dass alle eingleisigen Strecken noch sicherer werden und es sofort zum Alarm kommt, wenn zwei Züge auf Kollisionskurs sind.

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