Die Hessenwahl, ihre Interpretation und die Folgen: Was auffällt am CDU-Desaster

„Es ist schon überraschend, wie der Ausgang der Wahl in Hessen in unseren Leitmedien kommentiert wird. So wird der Absturz der CDU auf einen angeblich zu konservativen und polarisierenden Wahlkampf zurückgeführt. Dass die CDU seit der Kanzlerschaft von Frau Merkel in sämtlichen Landtagswahlen durchweg – auch in Niedersachsen – teilweise erdrutschartige Stimmenverluste zu verzeichnen hat, wird nicht thematisiert. Abweichend von diesem manchmal regierungsamtlich anmutenden Journalismus stellt Markus Reder (DT vom 29. Januar) die Rolle von Roland Koch als eines sogenannten „Konservativen“ in Frage, von dem man bis heute nicht wisse, wie er „in Fragen der Bioethik tickt“. Sehr richtig. Jedenfalls wurde nicht bekannt, dass der stellvertretende CDU-Vorsitzende die fast diktatorisch anmutende Parteitagsregie – der DT sei Dank für die erhellende Berichterstattung – bei der Diskussion zum Embryonenschutz in Richtung Lebensschutz beeinflusst hätte.

Wer Konservatismus mit dem Eindreschen auf kriminelle Ausländer gleichsetzt, unterliegt einer merkwürdigen Begriffsverengung. Von einem Konservativen hätte man sich beispielsweise gewünscht, dass er sich dem pointierten Urteil des Kölner Erzbischofs zum eingebildeten „Dilemma“ der Frau Schavan angeschlossen hätte. Oder dass er dem sozialistischen Krippenfimmel unserer famosen „Familien“ministerin samt ihres frechen Benehmens gegenüber dem Bischof von Augsburg Paroli geboten hätte. Nichts dergleichen war von Herrn Koch zu hören – stattdessen fielen im Zusammenhang mit der von-der-Leyen'schen Arbeitsmarktpolitik Begriffe wie „notwendig“, „modern“ etc.

Was ist mit der Rückgratlosigkeit des hessischen CDU-Wirtschaftsministers, der meinte, seine Schirmherrschaft am katholischen Kongress „Freude am Glauben“ in Fulda zurückgeben zu müssen, weil ihm die Einladung der Kongressleitung an Eva Herman (übrigens vor dem Skandal des Herrn Kerner) nicht opportun erschien? Könnten hier Gründe für Wahlenthaltungen liegen? Auffällig ist jedenfalls, dass die desaströsen Wahlergebnisse der CDU in katholischen „Hochburgen“ wie beispielsweise Fulda noch unterboten worden sind. Wenn man den hervorragenden Beitrag von Bischof em. Schlembach (DT vom 26. Januar) zu Paul Josef Nardini und zur gegenwärtigen Familienpolitik in Deutschland gelesen hat, so weiß man, was bei der CDU jenseits des parteiamtlichen Phrasengedresches vom „christlichen Menschenbild“ im Argen liegt. Merkel, Kauder und Pofalla haben mit ihrer „Süssmuthisierung“ die CDU „auf den Hund gebracht.“

Themen & Autoren

Kirche