Die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier und die Ökumene: Pilger beseelt weiter der katholische Glaubenssinn

Der Trierer Wallfahrtsdirektor Prälat Georg Bätzing sagte laut „Pilgerzeitung“ der Tagespost, dass man bei der Ausrichtung der Heilig-Rock-Wallfahrt alles vermieden habe, was „die Christen anderer Konfessionen möglicherweise anstößig finden“. Nach dieser Devise wurde als Erstes der Reliquiencharakter der Tunika Christi eliminiert, denn die protestantische Tradition lehnt die Reliquienverehrung strikt ab – so der evangelische Präses Nikolaus Schneider. Man einigte sich auf die Formel, dass der sogenannte Heilige Rock zwar Anlass der Trier-Wallfahrt sei, aber nur als Symbol für Christus gewertet werden sollte – gewissermaßen ein textiles Piktogramm, über das nur mehr eine gedankliche Verbindung zu Christus hergestellt werden kann.

Als Zweites hat die Wallfahrtsdirektion die kirchlich-katholische Sinngebung der Herren-Reliquie aufgegeben. Seit den Kirchenvätern gilt der ungeteilte Leibrock Christi als Sinnbild für die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“, die wir im Credo bekennen. Der Trierer Bischof Stefan Ackermann dagegen will auch in diesem Punkt den Protestanten entgegenkommen, indem er die „eine Kirche“ nicht in der katholischen Kirche verwirklicht sieht, sondern erst als Überwindung der Trennung „zwischen christlichen Kirchen und Konfessionen“.

Papst Benedikt XVI. hat sich in seinem Grußwort zur Eröffnung der Wallfahrtswochen deutlich von dieser protestantisierenden Uminterpretation der Heilig-Rock-Verehrung distanziert, indem er die katholische Glaubenstradition in Erinnerung ruft: „Die Reliquie vergegenwärtigt einen der dramatischsten Momente im irdischen Leben Jesu, sein Sterben am Kreuz.“ Weiterhin repräsentiere der ungeteilte Leibrock „die Einheit der Kirche als die eine, ungeteilte Gemeinschaft der durch die Liebe Christi gestifteten Kirche“. Der „von oben her ganz durchwebte Leibrock“ solle die Kirche auch daran erinnern, dass ihr Ursprung, ihre Einheit und Wirksamkeit allein von Gott gestiftet und geschenkt ist. Schließlich weist der Papst darauf hin, dass dieses „schlichte Unterkleid die ungeteilte Gabe an die Kirche ist, die er durch sein Blut geheiligt hat“.

Dieser kirchlich-katholische Glaubenssinn, den der Papst bekräftigt hat, beseelt auch weiterhin die meisten katholischen Pilger und Beter vor der Christus-Reliquie. Der 19-jährige Abiturient Yannik Hassbach aus Trier schreibt (DT vom 21. April), dass die Wallfahrt für ihn den Sinn habe, die vereinzelten und verunsicherten Katholiken beim gemeinsamen Pilgern zu der Leibrock-Reliquie im Glauben und Bekenntnis zur Mutter Kirche zu stärken.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Abonnements

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann