Die Diskussion des Begriffes Entweltlichung auf dem Deutschen Katholikentag: Bestürzt und befremdet über Wolfgang Thierse

Mit Bestürzung und Befremden nehme ich nach der Lektüre des Beitrages „Jammern kann gottlos sein“ (DT vom 22. Mai) zur Kenntnis, dass Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) auf dem 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim die prophetischen Worte Benedikt XVI. von der nötigen Entweltlichung der Kirche nicht nur nicht verstanden hat, sondern sie auch noch als angeblich polemisch verunglimpft.

Im Entrüstungston verweist er in diesem Zusammenhang auf eine von ihm in Ostdeutschland als entweltlicht erlebte Kirche, gerade so, als halte unser Papst solche Zustände für erstrebenswert. Völlig irreführend ist auch seine Vorstellung, als sei hier beabsichtigt, die Mitgestaltung der Gesellschaft aufzugeben. Wer hat unserer Gesellschaft – und nicht nur unserer – so viele dauerhaft tragfähige Impulse gegeben wie gerade dieser Papst? Ich weiß nicht, ob Thierse mit dieser Papst-Schelte nahtlos an Lammert anschließen und sich bei bestimmten romkritischen Kreisen beliebt machen will. Seine Aussagen verraten jedoch eine erhebliche Fehleinschätzung.

Sarah Wagenknecht, so lese ich mit Verwunderung, habe mit ihrer Aussage: „Was ist Nächstenliebe schon anderes als solidarischer Umgang?“ den Saal zum Kochen gebracht. Hier wird meines Erachtens leichtfertig eine Parallele zwischen christlicher Nächstenliebe und sozialistischer Gesinnung hergestellt. Unser Liebesgebot macht nicht bei benachteiligten Klassen halt, es erstreckt sich selbst auf unsere Feinde und ist vor allem auch gar nicht isoliert vom Gebot der Gottesliebe zu betrachten. Zudem beschränkt sich unser Liebesgebot keinesfalls auch benachteiligte Lebende, sondern bis zu den Ungeborenen. Mir ist zumindest nicht bekannt, dass sich Frau Wagenknecht in dieser Richtung entschieden christlich positioniert hätte. Mit ihrem Werbespruch „Willkommen sind alle, die für eine gerechtere Welt sind“ suggeriert die Kommunistin, als wäre von vornherein klar, was denn unter „gerecht“ zu verstehen sei und hierfür stünde sie und ihre Partei.

Ein Katholikentag als Plattform für eine erfolgreiche Werbeaktion der SED-Nachfolgepartei, es ist kaum zu fassen. Frau Wagenknecht, die so gekonnt als Anwältin der Gerechtigkeit auftritt, würde gut daran tun, wenn sie einmal ihre monatlichen Bezüge veröffentlichen würde. Dann würde sich zum Beispiel im direkten Vergleich mit der Entlohnung einer Supermarkt-Kassenfrau schnell herausstellen, welchen Wert solche Parolen haben.

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