Die Debatte um die Wandlungsworte: Treue zur apostolischen Überlieferung gefragt

In den vergangenen Ausgaben hat die „Tagespost“ zahlreiche verschiedene Beiträge und Leserbriefe gebracht, in denen die korrekte deutsche Übersetzung der von Jesus Christus verwendeten Wandlungsworte angemahnt wurde.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine bisher selten geäußerte Tatsache hinweisen; sie mag theologisch nicht von besonderer Wichtigkeit sein, scheint mir jedoch historisch von erheblicher Bedeutung:

Die Urformen der alten Liturgien, welche bis in die apostolische Zeit zurückreichen und auf welche die späteren Formen zurückgehen – nämlich die in Jerusalem, Antiochia und Alexandria beheimateten ursprünglichen Liturgien – verwenden alle das griechische „peri pollohn“ (lateinisch „pro multis“, also für viele). Auf diese Tatsache hat schon vor vier Jahren Pater M. Wildfeuer in der Untersuchung „Treue zum Testament des Herrn“ hingewiesen.

Nimmt man dazu die Tatsache, dass sich „in keinem einzigen liturgischen Einsetzungsbericht der verschiedenen orientalischen Liturgien die Übersetzung „für alle“ findet (Klaus Gamber), so stellt sich für mich die Frage:

Ist die deutsche katholische Kirche überhaupt sachlich berechtigt, an der Formulierung „für alle“ festzuhalten und damit die historisch deutlich überlieferten Einsetzungsworte Jesu Christi aus rein katechetischen Gründen abzuändern? Die klare Auffassung des Lehramts ist – wie bekannt – die Treue zur apostolischen Überlieferung „für viele“.

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