Die Bundestagswahl, die Union und die Christen, die SPD und die Große Koalition: „Christlich“ heißt nicht „katholisch“: Alle vier Jahre die gleiche Debatte: Steinbrück will weiter Schwarz-Rot

Eine gemischte hochkarätige Journalistenrunde bei „Kerner“ (15. September) ließ keinerlei Zweifel daran, dass auch der 27. September bereits eine Richtungsentscheidung bringt: Entweder Schwarz/Gelb als die bürgerliche Mitte oder die Fortsetzung der Großen Koalition, die aber spätestens 2011 die SPD zwingt, sich aus der Umklammerung der Union zu befreien, was nur über Rot-Rot-Grün bei der Wahl 2013 gelingen könnte. Wer also aus dem „tiefschwarzkatholischen“ Lager der CDU nicht wählt, spielt automatisch Rot-Rot-Grün in die Hände und „wählt“ – ob er will oder nicht – die gottlose Linke bereits jetzt! Wer seine Stimme einer kleinen chancenlosen Splitterpartei gibt, verschenkt sie ungewollt an „Tiefdunkelrot“, schwächt damit die Union und stärkt so die Nachfolger der Kader der SED, die Millionen Menschen über 40 Jahre bespitzelten, in Bautzen und wo überall quälten und unterdrückten, und denen kein freier Mensch mehr im Dunkeln begegnen möchte, nicht einmal mehr „im Dunkel der Geschichte“!

Wählen zu gehen und dabei zu bedenken, was es bedeutet, sich einer staatstragenden Partei, die „Christlich“ nicht nur in ihrem Namen, sondern zutiefst auch in den Inhalten und Auswirkungen ihrer Politik verantwortet, sofern man sie denn darin unterstützt, ist die Kernfrage der Gestaltung Deutschlands auch im Sinne der Zukunft unserer Enkel. Die Väter und Mütter nicht nur der Union, sondern auch des Grundgesetzes, hatten nach unsäglichen zwölf Jahren des 1000-jährigen Trümmerreiches mit der Ausrottung von sechs Millionen europäischer Juden und – im Verbund mit Stalin und anderen Demagogen – weltweit über 52 Millionen Toten „die Nase gestrichen voll“ von allem „Heil Hitler“, von aller Demagogenverehrung:

Gott und seine Wertordnung, die Leben, Würde und Freiheit des Menschen als Abbild seines Urbildes grundgelegt hat, muss nach dem Gründungsgedanken Mitte einer Werteordnung sein, die bedingungslos die „Kostbarkeit jedes Menschen in den Augen Gottes“ (Hl. Bernadette) respektiert. Unsere Kanzlerin, beschimpft als „Pastorentochter“, ist zutiefst von dieser Überzeugung geprägt, eben weil sie in einer christlichen Familie großwerden durfte. Bei ihrer „Antrittsrede“ im – auf der Linken äußerst laizistischen – Europaparlament am 17. Januar 2007 in Straßburg legte sie mutig ein kurzes und umso einprägsameres Bekenntnis ab: „Für mich, die ich mich als Christin zu den christlichen Grundlagen Europas ausdrücklich bekenne, ist die schönste Stelle des Stückes (Anm.: „Nathan der Weise“ v. G. E. Lessing) ein Wunsch des Sultans an Nathan. Über alle trennenden Glaubensgrenzen hinweg bittet der Moslem den Juden: „Sei mein Freund.“ Nicht trotzdem, sondern deswegen ist sie die über die Grenzen Europas hinaus hoch geachtete Kanzlerin der Deutschen!

Und wir „Tiefschwarzkatholischen“, bleiben wir immer noch „päpstlicher als der Papst“? Wollen wir auch endlich den Gründungsgedanken der Union zur Kenntnis nehmen, die sich „christliche“ und nicht „katholische“ Union Deutschlands nannte, um Religionskriege unter Christen ein für allemal Geschichte sein und uns zuallererst fragen zu lassen, was uns in Christus verbindet! Akzeptieren wir – nach vier katholischen Kanzlern der Union – endlich unsere evangelische Kanzlerin! Jede Stimme mehr gibt ihr die Kraft und Gestaltungsmacht für eine immer deutlichere christlich geprägte Politik; christliche Wähler sind dem „C“ verantwortlich. Mehrfach und wechselseitig! Dafür lohnt jede Anstrengung.

Wie immer vor großen Wahlen in letzter Zeit, so gibt es auch diesmal wieder eine Diskussion darüber, welche Partei man als Christ noch wählen soll, welche Partei man überhaupt noch wählen kann, oder ob man überhaupt noch wählen sollte. Die Teilnehmer an dieser Diskussion unterscheiden sich dabei immer in drei Gruppen: Die ersten wollen weiterhin CDU wählen um, wie sie sagen, ein noch „größeres Übel“ zu verhindern, die zweiten favorisieren eine der kleinen christlichen Parteien und die dritten rufen zum Wahlboykott auf.

Ob diese immer wiederkehrende Diskussion am Ende etwas bringt, ist eine andere Frage. Vielleicht ist es sinnvoller, wenn sich alle gläubigen Katholiken, welche an der Gestaltung unseres Landes mitwirken möchten, sich nicht nur alle vier Jahre den Kopf zerbrechen, wo sie denn nun ihr Kreuzchen machen, sondern immer, auch wenn kein Wahlkampf tobt, aktiv für eine bessere und damit christlichere Politik zum Wohle aller Menschen einsetzen würden?

Man kann zum Beispiel immer wieder den Kontakt zu den Politikern suchen und ihnen Vorschläge machen, was wir uns als Wähler erwarten. Werden diese Vorschläge abgelehnt oder ignoriert, so sollte man diese Politiker nicht mehr wählen. Wenn wir Christen jedoch immer wieder die gleichen Politiker beziehungsweise Parteien wählen, ohne dass wir etwas dafür fordern und dann auch die Konsequenzen ziehen, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn unsere Klagen und Forderungen kein Gehör finden.

Zu tun gibt es genug! Ein Beispiel: Es ist schon eine große Schande für unser Land, dass jeden Werktag circa 1 000 ungeborene Kinder sterben müssen, noch ehe sie das Licht der Welt erblicken. Es ist aber noch eine größere Schande für uns Christen, dass wir diese Verbrechen durch unseren Krankenkassenbeitrag unterstützen. Nach meinem Kenntnisstand sind derzeit alle gesetzlichen Krankenkassen in der BRD verpflichtet, Abtreibungen zu bezahlen. Somit werden wir gezwungen, das Töten von unschuldigen wehrlosen Kindern auch noch zu unterstützen. Wieso unternimmt keiner etwas, um die Gründung einer christlichen Krankenkasse zu ermöglichen, welche Abtreibungen nicht mehr finanziert?

Was bei uns nicht möglich ist, ist in der Schweiz schon Realität: Dort verhilft „Pro Life“ Personen, die die Abtreibung ablehnen, zu Krankenversicherungen ohne Abtreibungsfinanzierung. Üben wir Druck aus auf unsere Politiker, dass so etwas auch bei uns möglich wird und sagen wir, dass wir es mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können, Abtreibungen durch unseren Krankenkassenbeitrag mitzufinanzieren.

„Steinmeier schrödert“ heißt es in der „Tagespost“ vom 17. September. Aber auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Verkündet er doch, eine mögliche Fortsetzung der Großen Koalition sei kein Unglück für die SPD. Unabhängig davon, ob man künftig lieber eine Koalition zwischen CDU/CSU und FDP wünscht, muss man den „politischen Schachzug“ dieser Äußerung neidlos anerkennen.

Dagegen enttäuscht, dass die Kanzlerin die „Elefantenrunde“ im Fernsehen abgesagt hat. Fürchtet sie etwa, dass sie hinter Guido Westerwelle (FDP) in der Bewertung ihres Auftretens auf dem zweiten Platz oder noch weiter hinten landen würde?

Themen & Autoren

Kirche