Die Bekräftigung des Priesterzölibats durch Bischof Voderholzer: Mit dem NT gegen das Zölibatsgesetz

Bischof Voderholzer und die „Tagespost“ verdienen Dank, dass sie einen Fastenhirtenbrief zum drängenden Thema der priesterlichen Ehelosigkeit verfasst beziehungsweise gedruckt haben (DT vom 14. März). Als langjähriger Religionslehrer und als früherer Zölibatär darf ich dem früheren Dogmatikprofessor Voderholzer aber zwei – gar nicht kleine – „Stockfehler“ nicht durchgehen lassen:

Erstens die Begründung der Ehelosigkeit mit dem „alles verlassen“ von Mk 10,28 (mit den beiden Parallelen bei Matthäus und Lukas). Der Hase im Pfeffer liegt aber gerade im folgenden Vers bei allen Synoptikern: Markus und Matthäus spezifizieren das „alles verlassen“ gerade ohne die Ehefrau; diese wird nur von Lukas in 18,29 nachgeschoben. Hier ist nach allen Exegeten Lukas „kreativ“; Markus und Matthäus hätten es niemals gewagt, aus dem Jesuslogion ausgerechnet die Ehefrau herauszukegeln! Bischof Voderholzer sollte sich im Jesus-Buch (Sonderausgabe KBW, 10 €) des Priesters Prof. Martin Ebner/Bonn die Seiten 120ff. durchlesen. Danach sind sogar die Zweierpärchen der Aussendungsrede bei Lukas 10 (Q) echte (Ehe-)Paare gewesen. Auch Ebners Sammelband „Inkarnation der Botschaft“ (KBW 2015) enthält gerade für Bischöfe einschlägigste Forschungen, besonders zu Mk 10,42ff!.

Zweitens bedient sich der Bischof noch immer des alten – wiederum sportlich gesprochen – Bauerntricks: Man redet undifferenziert von Zölibat und Zölibatären, auch wenn es nur um das Zölibatsgesetz geht: Jesus habe „den Zölibat“ empfohlen. Bei den Regensburger Diözesanen kommt an: Jesus sei für den heutigen „Zölibat“. Es geht aber „nur“ um die Zölibatspflicht, besser: das Zölibatsgesetz. Fakt ist aber, dass Jesus die (charismatische) Ehelosigkeit für „manche“ akzeptiert (diejenigen, die für die Ehelosigkeit „Platz haben“, griechisch: chorein, Mt 19,12).

Der Verfasser der „Responsio Udalrici“ (10. Jht.), wahrscheinlich Bischof Ulrich von Augsburg, war gegen die Versuche aus bischöflich-oligarchischen Kreisen, den Zölibat als Kirchengesetz vorzuschreiben, mit dem Argument, das NT lasse ein Zölibatsgesetz nicht zu. Vielleicht kann Regensburg von diesem Augsburger immer noch lernen.

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