Der Vatikan und der „Fall Williamson“: Zur Kritik an Benedikt XVI. und den Reaktionen in Kirche und Medien: Ungerechtfertigte Angriffe: Hirten heulen nicht mit den Wölfen: Dieser Papst ist ein Geschenk: Wer muss sich bei wem entschuldigen?: F

Ich schreibe nicht oft Leserbriefe, aber dieser muss sein. Es reicht! Diese ungerechtfertigten Angriffe der Journalisten, selbst seitens einiger Bischöfe, auf Papst Benedikt schreien zum Himmel. Da handelt der Oberhirte wie ein Hirte, um verlorene Schafe in den Schoß der Kirche zurückzuholen, und was machen die Medien daraus? Eine solche polemische Hetzjagd gegen den wunderbarsten Papst, den man sich wünschen kann, ist durch nichts zu rechtfertigen.

Jetzt schwingen wieder die alten Ratzinger-Gegner die Keule. Es ist ein Trauerspiel, wenn Leute wie Hans Küng wieder ihre Stimme erheben und die Menschen im deutschsprachigen Raum gegen den Papst aufbringen. Dass die Äußerungen seitens Herrn Williamson nicht zu rechtfertigen sind, steht natürlich außer Frage.

Ich appelliere an alle Katholiken und Menschen guten Willens, jetzt zu Papst Benedikt zu halten und ihn zu unterstützen, anstatt auf ihn loszugehen. Ich persönlich stehe in Treue zu diesem außergewöhnlich intelligenten und guten, lieben Papst. Jetzt erst recht! Gott schütze ihn!

Es ist ein Segen, dass es „Die Tagespost“ gibt. Es ist wie der Eintritt in eine Oase der Ausgewogenheit, der Wahrhaftigkeit und der Sachlichkeit, wenn man Ihre Zeitung liest. Ich wünsche mir von Herzen, dass Ihre Zeitung noch lange, lange auf dem Markt bleibt und noch mehr Leser zu Ihnen finden.

Guido Horsts Artikel „Wie in alten Zeiten“ (erschienen in „Die Tagespost“ vom 3. Februar) ist die präzise Darstellung eines ständig wiederkehrenden Problems. Es ist immer wieder bedrückend, wenn ausgerechnet Bischöfe die Einheit der Kirche in Frage stellen. Die Einheit ist ein immens kostbares Gut, wofür der Herr selbst gebetet hat. Unsere Welt ist geprägt von Selbstsucht, Eigeninteresse, Selbstprofilierung und dem Drang, sich so darzustellen, dass es der breiten Masse gefällt. Tugenden wie Gehorsam, Demut, Gelehrigkeit und Treue entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Wenn nun sogar einige Bischöfe statt den Papst zu verteidigen die gegenwärtige Unruhe nutzen, um sich der Öffentlichkeit durch Kritik an Papst und Kurie anzudienen, dann ist das sehr traurig. Indem diese Bischöfe suggerieren, dass man Rom nicht braucht und die Einheit derart geringschätzen, führt das ganz natürlich dazu, dass viele Gläubige der Meinung sind, man brauche die Kirche nicht, um das Heil zu erlangen.

Wer Dissens sät, der erntet zwar massenhaft Lob von rationalistisch und atheistisch geprägten Kreisen, er verliert aber zugleich die Autorität, die notwendig ist, um das Bischofsamt im Sinne Jesu und seiner Kirche auszuüben. Wen wundert es, wenn bei solch unloyalem, wenig vorbildlichen und auch ein bisschen feigen und opportunistischem Verhalten wachsende Lauheit unter den Christen aufkommt.

Gott sei Dank gibt es mehrheitlich gute Bischöfe in unserer Kirche. Es ist in der Regel sehr einfach, herauszufinden, wer ein guter Bischof ist. Diese werden in Presse und Fernsehen kurzerhand verteufelt und als erzkonservativ dargestellt. In Wahrheit sind es gerade diese Bischöfe, die das Wort Gottes in Treue verkünden und die Kirche und das Lehramt verteidigen, auch wenn sie deswegen ständig an den Pranger gestellt werden, weil sie nicht der Versuchung erliegen, sich bei der breiten Masse anzubiedern.

Die Aufgeregtheiten der letzten Tage zeigen: wieder mal wurde eine Chance verpasst, die Welt damit zu beeindrucken, dass die Kirche tatsächlich eins ist und es darum geht, christliche Werte zu vermitteln und nicht darum, sich bei der Masse auf Kosten der Einheit beliebt zu machen. Nicht der ist guter Hirte, der mit den Wölfen heult, sondern der dafür sorgt, dass die eigene Herde trotz der mannigfaltigen Versuchungen unserer Zeit zum ewigen Leben geführt wird.

Ich weiß natürlich nicht, was der Heilige Vater sich in diesen Tagen denkt. Aber ich kann mir vorstellen, dass er im Paulusjahr an manches denkt, was der heilige Paulus geschrieben hat, zum Beispiel im 2. Korintherbrief (4,7ff): Den Schatz der Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen, wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Christi an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

Jetzt wird die Regensburger Rede gegen den Papst wieder in Stellung gebracht. Nicht gesagt wird, dass diese Rede zur Rede des Jahres 2006 erklärt wurde. Nichts gesagt wird von dem großartigen Empfang, den Benedikt XVI. in der Türkei fand. Nichts liest man von dem türkischen Journalisten, der den Papst vorher scharf kritisierte, und nach dem Türkei-Besuch schrieb: Ich liebe diesen Papst.

Ich finde, wir haben einen wunderbaren Papst, er ist ein Geschenk des Heiligen Geistes an unsere Welt. Er will nichts als versöhnen und kennt dabei keine Grenzen; wie unser Herr. Es ist wunderschön, katholisch zu sein. Ich denke an die Sternsingeraktion, die gerade wieder hinter uns ist, die ich zwanzig Jahre zusammen mit dem BDKJ in Deutschland verantwortet habe und durch die immer wieder ungezählten notleidenden Kindern geholfen wird, dass sie leben können. Sie ist ein urkatholischer Brauch. Ich danke Guido Horst für seinen Beitrag „Wie in alten Zeiten“ (DT vom 3. Februar). Wir Katholiken haben mit diesem Papst, dem Nichtkatholiken attestiert haben, dass er der offensivste Intellektuelle unserer Zeit ist, überhaupt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Ich bin schockiert und zutiefst erschüttert: Haben Journalisten und Kritiker eigentlich die Wahrheit für sich gepachtet? Sind sie unser aller Maßstab und berechtigt, egal wie und wo zu polarisieren und zu diffamieren? Nein! Warum reihen sich dann alle, die sonst zum Thema Kirche und Glauben nicht viel zu sagen haben, jetzt in das Wolfsrudel ein, welches unseren Papst am liebsten in der Luft zerreißen würde?

Damals; als er noch Kardinal Ratzinger war, haben sie es ja nicht geschafft. Gott sei Dank. Bevor in einer solchen Art und Weise über den ersten deutschen Papst seit vielen hundert Jahren der Stab gebrochen wird (Wie war das doch noch, „Wir sind Papst!“ – alles schon vergessen?), sollte jeder für sich die Situation und die regulären Vorgänge einmal beleuchten und richtig hinter die Kulissen schauen. Kardinal MeisNer hat dazu bereits vernünftige Worte gesagt. Hört eigentlich keiner zu?

Der Papst hat keinen Holocaustleugner in die Gemeinschaft der Kirche wieder aufgenommen, sondern vielen anderen den Weg bereitet und die Chance gegeben, wieder in den Schoß der Kirche zurückkehren zu können. Diese Bischöfe und auch der mit seinen unerträglichen Äußerungen, wurden nicht wieder aufgenommen. Der Papst hat lediglich die Exkommunizierung aufgehoben. Sie sind weiter suspendiert und müssen nun ihren Part erbringen, dabei wird sich zeigen; ob sie es schaffen, sich dessen würdig zu erweisen. Er hat Ihnen, wie so vielen anderen zuvor, die Hand gereicht und sieht sich nun einer wild gewordenen Horde ausgesetzt. Wir sollten uns schämen, dass so etwas in Deutschland möglich ist und ihn mit Demut um Verzeihung bitten. Diejenigen, die sich jetzt am meisten empören, sind es, die hetzen und heucheln. Alle; die endlich Mut beweisen wollen, sollten furchtlos ihr Wort dazu erheben.

Wer bejubelt endlich einmal die positiven Dinge, die unser Papst bis jetzt vollbracht hat und hoffentlich noch lange vollbringen wird?

Nach dem Theologen Eberhard Schockenhoff (DT vom 27. Januar) hätte Papst Benedikt XVI. etwas Unglaubliches gemacht und eine „widersprüchliche Situation“ hervorgerufen. Denn mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe wäre es „nun möglich, Bischof der katholischen Kirche zu sein, ohne in der vollen Gemeinschaft ihres Glaubens zu stehen“. Man fragt sich: Welches sind die zentralen Glaubensaussagen der Kirche, welche diese vier Bischöfe leugnen? Besteht die Widersprüchlichkeit nicht darin, aus einem Konzil, das keine neuen Glaubenssätze verkünden und pastoral (das heißt an die heutige Lage der Kirche angepasst) sein wollte, etwas Unantastbares zu machen? In der nachkonziliaren Zeit hat man manche Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils „quasidogmatisiert“, so dass für nicht rechtgläubig gehalten wird, wer diese Aussagen in Frage stellt. Moraltheologe Professor Schockenhoff sollte wissen, dass solchen Lehren „nicht Glaubenszustimmung, wohl aber religiöser Verstandes- und Willensgehorsam“ entgegenzubringen ist, wie das kirchliche Gesetzbuch präzisiert (Canon 752). Da solche Lehren nicht unfehlbar sind, kann es gute Gründe geben, sie in Frage zu stellen. Keineswegs ist der Papst Traditionalist geworden, sondern er wünscht, dass die vier Bischöfe „echte Anerkennung der Autorität Zweites Vatikanischen Konzils bezeugen“. Allerdings stellt er die Dinge an den richtigen Platz zurück: Man kann katholisch sein und Einwände gegen Aussagen eines pastoralen Konzils haben. Darum hebt der Papst eine Exkommunikation auf, die keinen Sinn hat, kündigt aber Gespräche an, um die bleibenden Fragen zu klären.

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