Der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen: Zur Leserzuschrift von Kardinal Walter Kasper: Eine Frage, die ohne Antwort bleibt : Den Fokus auf das Bußsakrament gelegt

Zu der Zuschrift „Nach der Zulassung zum Bußsakrament gefragt“ von Walter Kardinal Kasper (DT vom 15. April): Kardinal Kasper hält denen, die seinen beim Konsistorium gehaltenen Vortrag „Das Evangelium von der Familie“ kritisieren, entgegen, sie hätten bisher nicht auf die Frage geantwortet, ob man einem Pönitenten, das heißt einem zivil wiederverheiraten Geschiedenen, der ehrlich bereue und den guten Willen bezeuge, nach besten Kräften aus dem Glauben zu leben, die Absolution verweigern dürfe.

Abgesehen davon, dass die Rede von dem guten Willen, nach besten Kräften aus dem Glauben zu leben, dehnbar ist, wird man diese Frage grundsätzlich mit Ja beantworten. Die entscheidende Frage ist jedoch, was der Pönitent für den gültigen Empfang des Bußsakramentes ehrlich bereuen muss.

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Nr. 2384: „Die Ehescheidung ist ein schwerer Verstoß gegen das natürliche Sittengesetz. Sie gibt vor, den zwischen den Gatten freiwillig eingegangenen Vertrag, bis zum Tod zusammenzuleben, brechen zu können. Die Ehescheidung missachtet den Bund des Heiles, dessen Zeichen die sakramentale Ehe ist. Das Eingehen einer, wenn auch vom Zivilrecht anerkannten, neuen Verbindung verstärkt den Bruch noch zusätzlich. Der Ehepartner, der sich wieder verheiratet hat, befindet sich dann in einem dauernden, öffentlichen Ehebruch. […]“

Vor diesem Hintergrund müsste der zivil wiederverheiratete Geschiedene als Pönitent nicht nur die Ehescheidung ehrlich bereuen, sondern auch den dauernden, öffentlichen Ehebruch, in dem er sich aufgrund der neuen zivilrechtlichen Verbindung befindet.

Kann man jedoch allen Ernstes die zivile Wiederverheiratung als dauernden, öffentlichen Ehebruch ehrlich bereuen und gleichzeitig an der neuen Verbindung festhalten wollen? Überdies: Bekäme der neue Partner Kenntnis von dieser Reue, hätte das gewiss das Ende der neuen Verbindung, die der Pönitent ja unbedingt bewahren möchte, zur Folge. Kardinal Kasper beansprucht, mit dem von ihm vorgeschlagenen Weg über das Bußsakrament zwei zentrale Aspekte zu verbinden: „die Verpflichtung auf das Wort des Herrn und die nie endende Barmherzigkeit Gottes.“ Diese Lösung setzt aber voraus, dass die nähere Bestimmung der Reichweite der Reue, die für den gültigen Empfang des Bußsakramentes erforderlich ist, außer Acht bleibt.

Danke an Kardinal Kasper für seinen Leserbrief in der „Tagespost“ vom 15. April. Schon seit Tagen muss man in den diversen Internetforen und Zeitungen Stellungnahmen zum Diskussionsbeitrag des Kardinals lesen, die oft in allzu polemischer Weise versuchen, eine Diskussion abzuwürgen, die angesichts der schweren Not Einiger von Scheidung und Wiederheirat betroffener Katholiken versucht, hier den Fokus auf die Bedeutung des Bußsakramentes zu legen. Dafür verdient der Kardinal meines Erachtens Zustimmung. Auch ich muss zugeben, zuvor kategorisch anders an diesem Punkt gedacht zu haben. Nach der Lektüre des Beitrags von Kardinal Kasper bin ich allerdings ins Nachdenken gekommen. Es ist gut – bei aller Treue zum Prinzip – immer wieder die Frage aufzuwerfen, wie ernst wir denn in der Kirche das Angebot Jesu nehmen, immer wieder umkehren zu können. Der Hinweis auf das Gleichnis vom barmherzigen Vater im Leserbrief des Kardinals ermutigt uns alle doch dazu, sich über die Ankunft des verlorenen Sohnes zu freuen. Und wir alle haben sicher Seiten in uns, die diese Verlorenheit in sich tragen. Diesen Umstand sollten wir bei aller Leidenschaft in der Diskussion nicht außer Acht lassen. Blicken wir in diesen Tagen auf das geöffnete Herz Jesu, welches uns allen den Weg zum Vater aufgetan hat

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