Der „Rheinische Merkur“ wird zum Ende des Jahres eingestellt: Eine Beilage der „Zeit“: Das ist doch ein Witz: Was hat die vielen Millionen gerechtfertigt?

Mit „ihren“ Zeitungen haben die katholischen Bischöfe kein Glück. Das „Pech“ begann schon mit der Einstellung der von ihnen herausgegebenen und weitgehend finanzierten neuen Wochenzeitung „Publik“, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Aufbruch in der katholischen Kirche symbolisieren und widerspiegeln sollte. Für viele Leser mag es damals ein Schock gewesen sein, dass die Bischöfe diese ambitionierte Zeitung so rasch sterben ließen, indem sie ihr 1971, nur drei Jahre nach ihrem ersten Erscheinen, das finanzielle Fundament entzogen. Auch ich war damals schockiert, hatte aber ein gewisses Verständnis dafür. Schließlich hatte sich die von dem kirchlich stark engagierten Hans Suttner initiierte Zeitung relativ stark nach links entwickelt. Das entsprach keinesfalls Suttners Intentionen, der katholischen Kirche eine profilierte Stimme zu geben und das ganze katholische Spektrum widerzuspiegeln. Das Wochenblatt sollte sich mit den arrivierten anderen Wochenzeitungen und Magazinen im Niveau messen können. Als Teilnehmer an vielen Besprechungen über die Konzeption dieser neuen katholischen Wochenzeitung kann ich dies bestätigen. Der erste Grund für das Scheitern dieses Blattes, das sich die Bischöfe viel kosten ließen, lag sicher an dem überraschenden Unfalltod von Hans Suttner, dem Gründungs-Herausgeber von „Publik“, bevor überhaupt deren erste Nummer erschienen war. Ohne Suttners Tod hätte sich das Blatt keinesfalls so nach links entwickelt und damit eine bessere Überlebenschance gehabt.

Zu den Nutznießern dieser Entwicklung gehörte damals zweifellos der „Rheinische Merkur“. Dort hatte man kein Verständnis dafür, dass die katholischen Bischöfe ein solches „Linksblatt“ mit so vielen Millionen aus Kirchensteuermitteln subventionierten. Deshalb verfolgte man dort den Tod von „Publik“ zumindest mit Genugtuung, bestand nun doch die Chance auf eigene finanzielle Unterstützung durch die Bischöfe, was auch geschah. Umso überraschender ist es nun, dass mit dem „Rheinischen Merkur“ ein solch renommiertes Wochenblatt einen so plötzlichen Zeitungstod stirbt.

Dass die katholischen Oberhirten anscheinend wenig von der Presse verstehen, haben sie dadurch bewiesen, dass sie den „Rheinischen Merkur“ an die linksliberale „Zeit“ verscherbelten. Ich halte es für einen echten Witz, den „Rheinischen Merkur“ künftig als Beilageblättchen in der wenig kirchenfreundlichen „Zeit“ erscheinen zu lassen. Da hätte es doch nähergelegen, den „Merkur“ in der „Tagespost“ aufgehen zu lassen, der nun einzigen verbliebenen katholischen Zeitung mit Niveau. Aber vielleicht sind die bisherigen „Merkur“-Leser klüger und wenden sich der „Tagespost“ zu.

Um nicht missverstanden zu werden, ich bedauere es sehr, wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Dennoch finde ich das Ende des „Rheinischen Merkur“ nur konsequent. Die einzige Frage, die ich mir dabei stelle ist, warum erst jetzt. Mir ist unbegreiflich, warum der „Rheinische Merkur“ über viele Jahre hinweg so viele Kirchen-Millionen bekommen hat. Wo war denn da der Gegenwert für die Kirche? Welche Inhalte rechtfertigen solche Subventionen – auch vor den Kirchensteuerzahlern? Ein „Dialogblatt“ braucht es nicht. Dass die Kirche dialogbereit und -fähig ist, beweist sie täglich. Damit der Dialog mit der Welt funktioniert, müssen katholische Positionen klar erkennbar und profiliert ihren Weg in die gesellschaftlichen und politischen Debatten finden. Die „Tagespost“ leistet das vorbildlich. Warum macht man nicht so eine Zeitung stark?

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