Der Gott meines Alltags: Mein Deal mit Antonius

„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben an dieser Stelle jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben, was sie bewegt, ärgert, freut, stutzig macht oder staunen lässt.

Alltag, der Begriff beschreibt wohl das, was man alle Tage seines Lebens macht. Die immer gleichen Muster und Abläufe.

Wer kennt es nicht? Hektik, Stress, hier noch das Eine erledigen und das Nächste schon im Kopf. Die Arbeit verfolgt einen. Der Kopf ist noch voller Probleme, die der Arbeitstag mit sich gebracht hat, da prasselt schon die Werbung in Form von TV-Spots und Leuchtreklamen auf den geplagten Menschen ein. An Ruhe ist sowieso nicht mehr zu denken, geschweige denn an Gott. Das Kreuz im Büro hängt schützend und unsichtbar wie ein Schutzengel über den Köpfen und der Anhänger in Kreuzform am eigenen Hals dient eigentlich nur Verschönerungszwecken – er passt halt farblich so gut zu dem Hemd.

Wir sind in unserem Alltag oftmals so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir den Blick für das Wesentliche verlieren. Und so passiert es auch, dass das tägliche Gebet oder der Gottesdienstbesuch am Sonntag zur Routine wird.

Ein nettes Wort von einem Kollegen, eine helfende Hand bei einem Computerprobleme, eine Folge von Geschehnissen, die dazu führt, dass man plötzlich die Karriereleiter hinaufsteigen kann ... und und und. All diese Zufälle, wie man heute gerne sagt, geschehen direkt vor unserer Nase. Wir nehmen sie zwar wahr, können sie aber nicht mehr richtig zuordnen. Ist es nicht Gott, der hier wirkt?

Die Handschrift Gottes lässt sich in vielen kleinen Momenten unseres Lebens entdecken. Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, da wir von Gott große Werke und Wunder erwarten. Aber man muss das Experiment wagen, einmal bewusst in alltäglichen Situationen auf die Zeichen göttlichen Wirkens zu achten. Und während ein unverhoffter Gruß eines sonst eher unfreundlichen Mitmenschen plötzlich die Liebe Gottes greifbar werden lässt, so merkt man auch, wie dieser Geist einen selbst ergreift und man selbst kleine Wunder Gottes vollbringen kann.

Was ein herzliches „Hallo“ oder aber eine kleine Geste – und sei es nur das Türaufhalten – bewirken kann, ist erstaunlich. Wer die Welt verbessern will, der darf im Kleinen beginnen. Es ist die „gute Tat“, die zählt, egal wie groß oder klein sie ist.

Zwar können wir Gott nicht fassen, greifen oder spüren, aber wir können das Reich Gottes durch die guten Taten und Herzlichkeiten, vor allem aber durch die Liebe unserer Mitmenschen erfahren, denn als sein Abbild schuf Gott Mann und Frau. Gott ist in unserem Alltag genauso gegenwärtig wie der „Coffee to go“.

Durch die Schöpfung offenbart sich der Schöpfer. Wie der Künstler einen Teil von sich in ein Kunstwerk gibt, so wirkt Gott in seiner Schöpfung. Und wir können es sehen. Nur müssen wir dazu unseren Blick schärfen, die Umwelt bewusst wahrnehmen und auf Gottes Spuren achten.

Es bedarf etwas Übung, aber es funktioniert, denn: Gott verschließt sich nicht gegenüber den Menschen, es ist der Mensch, der sich verschließen oder öffnen kann. Gott ist unter uns – immer.

Der Autor ist 22 Jahre alt, studiert Jura und wohnt in Würzburg.

Wie ich dieses Gefühl hasse! Es ist, als ob mir jemand den Inhalt eines brodelnden Wasserkochers über den Rücken gießt. Kaum zuhause vom letzten Schultag vor den Faschingsferien musste ich entsetzt feststellen, dass sich mein Geldbeutel aus dem Staub gemacht hat. Er war einfach weg! Er muss noch in der Schule sein, war mein erster Gedanke. Doch dort suchte ich vergeblich.

In den Faschingsferien war ich ohne Geldbeutel unterwegs. An sich ja nicht so tragisch, viel Geld hatte ich sowieso nicht. Beim Autofahren kam jedoch ein besonderer Nervenkitzel dazu, denn wer fährt schon wirklich gerne ohne Führerschein?! Die Angst war da, dass jeden Moment im Rückspiegel ein Blaulicht oder der rote Schriftzug „Stop Polizei“ auftaucht, wenngleich mich Freunde zu beruhigen versuchten, dass Fahren ohne Mitführen des Führerscheins angeblich nur 15 Euro kostet. Nur, mit welchem Geld soll ich das bitte bezahlen?

Noch ärgerlicher war die Tatsache, dass sich auch mein Dönerpass im verschollenen Geldbeutel befand. Neun Stempel hatte ich bereits bekommen, ein einziger hatte mir gefehlt, um einen Gratis-Döner zu bekommen.

Also ging ich tatsächlich in den Ferien zur Schule, ließ mir vom Hausmeister den Raum aufschließen, doch wieder umsonst. Es wurde endlich Zeit, höhere Instanzen einzuschalten. Der Heilige Antonius gilt als der Schutzpatron für verlorene Sachen und so wandte ich mich an ihn. Ich begann mit ihm zu feilschen und nach langem Ringen entschied ich, dass ich als Gegenleistung auf die Musik-CD verzichte, die ich im Internet bestellt hatte und den Gratis-Döner einem andern schenke, wenn dafür mein Geldbeutel wieder auftaucht. Erster Schultag nach den Ferien und plötzlich war der Geldbeutel wieder da. Einfach so. Verrückt.

Noch erstaunter war ich, als kurze Zeit später trotzdem die CD ankam! Ich freute mich diebisch, so gut davongekommen zu sein, hatte dennoch leichte Gewissensbisse. Da war doch dieser Deal? Also verpackte ich sie schweren Herzens wieder und schickte sie einem Freund per Post. Der Heilige Antonius hatte meinen Ernst beim Abschluss unseres Abkommens zwar bemerkt, nur wollte er mich wahrscheinlich testen, ob ich denn bereit bin, sogar einen Schritt weiter zu gehen.

Nach überstandener Matheklausur traf ich in der Stadt „zufällig“ meinen kleinen Bruder und lud ihn spontan zum Döneressen ein. Als der Türke den 10. Stempel auf meinen Dönerpass drückte und schelmisch grinsend „Da kriegst du ja einen Gratis-Döner!“ sagte, war auch der zweite Teil meines Deals mit dem Heiligen Antonius erfüllt. Gott sei Dank.

Rudolf Gehrig, 18 Jahre, Schönborn Gymnasium Münnerstadt, wohnt in Seubrigshausen

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