Der Glaube verblasst, die Orientierungslosigkeit nimmt zu : Den Finger in die Wunde gelegt

Immer wieder bin ich froh und dankbar über Beiträge und Leserbriefe der „Tagespost“, in denen versucht wird, bei der Diskussion um Glaubensinhalte die Spreu vom Weizen zu unterscheiden. Die Beiträge von Professor Walter Hoeres zeigen das in besonderem Maße. Mit messerscharfem Verstand legt er seit Jahren seinen Finger in die Wunden der Kirche, die ständig neu zu bluten beginnen (vgl. DT vom 11. Dezember 2014).

Diese Wunden bluten deshalb immer wieder, weil man sie nicht als solche erkennt oder erkennen will. Warum ist es so schwer, eindeutige Lehraussagen zu erkennen und demütig anzunehmen, anstatt sie durch trickreiche Argumente und Formulierungen zu verwässern oder zu umgehen? Was will man damit erreichen und wem will man damit helfen? Das Ringen um Wahrheit ist zwar nicht immer leicht, aber im Vertrauen auf die Hilfe des heiligen Geistes auch nicht unmöglich.

Unter Berufung auf die Barmherzigkeit Gottes wird heute versucht, Menschen in seelischer Not, die auch mit Sünde verbunden ist, Wege zum Herrn zu zeigen. In der immer drängerenden Diskussion um Veränderung und Reform der kirchlichen Ehe- und Sexualmoral scheint aber das Bewusstsein von Schuld und Sünde dabei immer mehr zu schwinden. Klare Aussagen zum 6. und 9. Gebot werden bei Katechese und Verkündigung seit Jahrzehnten gemieden. Die allgemein verbreitete Orientierungslosigkeit und Unwissenheit in diesem Bereich, aber auch in anderen zentralen Glaubensinhalten, begründet ein immer geringer werdendes Schuldbewusstsein und fördert die Berufung auf die Autonomie des persönlichen Gewissens, wenn es sich überhaupt meldet. Dies begründet auch die mangelnde Akzeptanz und falsche Handhabung des Bußsakraments (etwa Bußgottesdienste!). Wenn ich nicht weiß, was Sünde ist, besonders auch schwere Sünde, und welche Konsequenzen sie hat, brauche ich nicht zu beichten und kann problemlos zur heiligen Kommunion gehen.

Mir geht es hier nicht darum, den Gläubigen ein schlechtes Gewissen einzuhämmern; es geht um die richtige Beziehung zu Gott. „Der ist es, der mich liebt, der meine Gebote hält“, sagt Jesus selbst. Wir lieben Ihn richtig und gut, wenn wir seine Gebote halten. Voraussetzung dazu ist, sie zu kennen. Lassen wir uns im Gehorsam zu seinen Geboten von seiner barmherzigen Liebe berühren.

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