Der Bundestagswahlkampf, die Unionsparteien und die Qual der Wahl: Wer nicht wählt, der stärkt die Falschen: Erneuerung muss von innen kommen: Achtung: Der Vorsprung schmilzt: Wieder Profil und Format gewinnen: Die Kleinen können größer werden

Immer wieder entnehme ich den Leserbriefen, dass viele meinen, aus Gewissensgründen die CDU nicht mehr wählen zu können, da sie das „C“ darin nicht mehr erkennen können. Sie sehen in der Stimmenthaltung einen Ausweg aus diesem Konflikt.

Auch ich bin mit vielem nicht einverstanden. Ich weiß aber auch, dass jeder Nichtwähler automatisch die anderen Parteien – auch gerade die „extremen Parteien“ – stärkt. Denn gerade die gehen wählen. Und das kann ich mit meinem Gewissen nicht verantworten.

Auch ich bin enttäuscht von der Entwicklung der Union. Dennoch gilt: Wer nicht Union wählt, macht sich mitschuldig, wenn es am Ende wieder nicht für Schwarz-Gelb reicht. Eine solche Koalition ist die Voraussetzung dafür, dass das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt. Das ist wichtig. Die Erneuerung der Union muss von innen heraus erfolgen. Also rein in die Partei und engagieren, dann kann man auch meckern. Nicht wählen, Splitterparteien stützen, bringt überhaupt nichts. Katholiken rein in CSU und CDU und den Laden richtig aufmischen, das ist jetzt angesagt.

Nach jüngsten Umfragen wird die Mehrheit für eine Koalition aus CDU/CSU und FDP immer dünner. Das ist ein Alarmzeichen. Am Ende kommt es wieder so: Die einen gewinnen die Umfragen, die anderen die Wahlen. Wer noch zweifelt, ob er zur Wahl gehen soll, der sollte sich schnell überlegen, was er Deutschland für die Zukunft wünscht. Weiter ein Große Koalition wäre sicher kein Fortschritt, eine Linksregierung ein gefährlicher Rückschritt. Bei aller berechtigten Kritik an der Union, es gibt genug gute Gründe, die C-Parteien zu stützen.

In den beiden Artikeln „Die Wahrheit der Schulden“ und „Bleibt zu Hause, liebe SPD'ler“ (DT vom 5. September) beschreiben Sie zutreffend, wie die Parteien und insbesondere die CDU ohne Rechenschaft über die bisherige Politik und ohne konkrete Aussage über die Maßnahmen nach der Wahl ein Mandat des Wählers erwarten. Frau Merkel lächelt von den Plakaten, nichts dagegen, aber um die Zukunft zu gewinnen, ist mehr notwendig. Und „Wir haben die Kraft“, mehr Wischiwaschi geht wohl nicht. Erschreckend war für mich bei der CDU die Abwertung und Umfunktionierung der Familie, die als Grundelement und Ursprung menschlichen Lebens und menschlicher Gemeinschaft besonders geschützt und gefördert werden muss. Wenn in der Vorstellung der CDU heute Karriere, Geld und Geltung wichtigere Werte sind und das Kinderkriegen in dieser Gesellschaft gegen Geld erfolgen soll, dann stimmt die Rangordnung der Werte bei der CDU nicht mehr. Nicht weniger abstoßend ist das Verhalten der CDU in der Frage des ungeborenen Lebens. Und wie will die CDU künftig die riesige Verschuldung in den Griff kriegen und für die nachfolgenden Generationen eine Zukunft sichern? Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus, da hätte sich Frau Merkel auch hinstellen müssen und kämpfen müssen um Verständnis beim Wähler für die notwendigen unpopulären Maßnahmen. Was hier geschieht, ist Missachtung und Verdummung der Wähler.

Was soll ich nun in dieser Situation machen, nachdem ich mein Lebtag lang CDU gewählt habe? Kann ich diese Partei, nach dem, was sie jetzt an Ergebnissen vorweist und als künftige Politik ankündigt, noch wählen? Wenn ich zur Wahl gehe, so bleibt mir nur, alle Wahlmöglichkeiten als ungeeignet zu kennzeichnen und damit den Wahlzettel ungültig zu machen, oder eine der Splitterparteien zu wählen, die wohl doch nicht über die Hürde kommt. Man mag einwenden, dass das nur der Linken zugute kommt. Oder Wahlrecht ist Wahlpflicht. Aber mit dem, was ich auf dem Wahlzettel vorfinde, kann ich keine gute Wahl treffen. Als Wähler sehe ich mich daher in einer Notsituation, und die Wahl ist schon verloren, bevor sie begonnen hat, wohl nicht für die CDU, aber doch für das Land.

Es bleibt einzig die Hoffnung, dass die CDU bei der schwindenden Zustimmung der Wahlberechtigten endlich doch zur Besinnung kommt und wieder Profil und Format gewinnt. Oder dass – wenn auch nicht diesmal, so vielleicht das nächste Mal – eine der kleinen Parteien mit neuen, mehr idealistischen und weniger vom Karrieredenken beherrschten Menschen die Hürde schafft.

Wie „Die Tagespost“ am 5. September 2009 unter der Überschrift „Nichtwählen ist unvernünftig“ meldet, rufen die deutschen Bischöfe zur Wahl am 27. September auf. Sie nennen dabei fünf zentrale Politikfelder, die von großer Bedeutung sind. Leider erfüllt keine der im Parlament vertretenen Parteien hundertprozentig die aus christlicher Sicht zu stellenden Bedingungen, dafür gewählt zu werden. Das gilt im Besonderen für die Bereiche „Ehe und Familie“ und „Lebensschutz von Anfang bis Ende“. Der Wähler wird also entscheiden müssen zwischen a) kleineres Übel, b) kleine Partei und c) nicht wählen.

Leider sind auch die C-Parteien nur das kleinere Übel. Zum Beweis dafür nenne ich beispielhaft die CSU, wo führende Funktionäre in der Transplantationsmedizin die „Widerspruchslösung“ einführen möchten. Lebensschützer sollten sich nicht abhalten lassen, auch kleine Parteien, die die 5-Prozent-Hürde noch nicht überspringen können, zu wählen. Auch der Umweltschutz hat klein angefangen.

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