Der 200. Geburtstag von Charles Darwin und die Evolutionstheorie: Aus Nichts kann nichts entstehen

Zum Artikel von Claudia Kock „Erst die Fakten, dann die Theorie“ (DT vom 10. März 2009): In Zeitungen und Talk-Shows wird in Verbindung mit dem 200. Geburtstag von Charles Darwin die Evolutionslehre vorwiegend als Erweis dargestellt, dass die Welt nicht von Gott erschaffen worden sei, sondern sich aus sich selbst heraus entwickelt habe („Selbstorganisation der Materie“). Der christliche Glaube wird dabei oft an unwissenschaftlich und rückständig hingestellt – von „anno dazumal“, mit „modernen“ wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar.

Aber selbst der modernste Wissenschaftler kann im Letzten nicht beweisen, dass der sogenannte „Ur-Knall“ die Erst-Ursache für die Entstehung des Weltalls war. Er kann nicht ausschließen, dass vor diesem Ereignis eine andere Ursache wirksam war, ein Schöpfungsakt Gottes, der jenen hervorgebraucht hat. Schon das unverstellte, natürliche Denken sagt uns: Aus Nichts kann kein so faszinierendes Universum mit seinen Ordnungen entstehen, keine so wunderbare Erde mit ihrem vielfältigen, ineinandergreifenden Leben und erst recht nicht der Mensch.

Wie wir wissen, wurde die Welt nicht in sechs Tagen geschaffen und vollendet. Vielmehr schafft Gott diese Welt auch heute noch und wirkt in ihr – in allen Dingen, in allen Lebewesen, auch im Menschen, und treibt so seine Schöpfung ihrem Ziel, ihrer Vollendung entgegen. Aber nicht der Zufall bestimmt dieses Evolutionsgeschehen (Entwicklung hat immer ein Ziel), sondern als Christen glauben wir, dass der in der ganzen Schöpfung wirkende Geist Gottes diese auf ihr letztes Ziel hinführt.

Dieses Ziel ist jedoch nicht wie in der Natur der Sieg im „Kampf ums Dasein“, nicht die Durchsetzung des jeweils Stärkeren gegenüber dem Schwachen und auch nicht der „Übermensch“ (F. Nietzsche), der dieses Naturprinzip in sich selbst vollendet sehen will. Das letzte Ziel der Evolution ist vielmehr die Liebe. In ihr, und zwar im Menschen, wird das natürliche Prinzip der „Auslese des Stärkeren“ durchbrochen, nämlich durch die Fähigkeit, von sich selbst und dem eigenen Vorteil und Nutzen abzusehen und sich dem Mitgeschöpf, dem Mitmenschen zuzuwenden, insbesondere dem Schwächeren, dem Leidenden.

Nur im menschlichen Bereich ist es möglich, dass jemand freiwillig sogar sein Leben für einen anderen, für ein Ideal oder seine Überzeugung hingibt. In der Person von Jesus Christus ist dieses Schöpfungsziel bereits in vollkommener Weise verwirklicht worden. Für uns Menschen ist dies ein sehr schwerer Weg, von vielen Rückschlägen begleitet, da wir ja auch Teil der Natur sind und ihr Gesetz in uns tragen. Wenn aber einmal dieses „neue“ Prinzip (der Liebe) im Menschen den Sieg über das „Recht des Stärkeren“ errungen hat, dann kann auch die ganze Schöpfung aufatmen, die jetzt noch, wie der Apostel Paulus sagt, seufzt und wie in Geburtswehen liegt und ihrer Erlösung durch das „Offenbarwerden der Kinder Gottes“ harrt.

Dank Darwin bekommen diese Worte noch eine viel tiefere Bedeutung; man kann sie so viel besser verstehen.

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